Mark Ravenhills verunsicherte Gesellschaft

Grillo-Theater

Die Angst vor Terror geht um. In dem Zyklus "Shoot/Get Treasure/ Repeat" (Schieß/Punkte sammeln)/Wiederhole) aus 16 Kurzstücken entwickelte Mark Ravenhilll, viel gespielter Autor der neuen britischen Dramatik, ein Panorama einer verunsicherten Gesellschaft, die sich durch immer schärfere Sicherheitsmaßnahmen zu schützen sucht - auf Kosten der Freiheit.

ESSEN

von Von Britta Helmbold

, 26.04.2015, 11:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mark Ravenhills verunsicherte Gesellschaft

Ein besorgter Vater (Daniel Christensen) tickt aus.

Für das Essener Grillo-Theater hat Hermann Schmidt-Rahmer seinen mit Pegida, IS-Terror, Kopftuch-Debatte und Attentat auf das französische Satiremagazin Charlie-Hebdo aktualisierten Mix aus einigen Ravenhill-Szenen unter dem Titel "Wir sind die Guten" auf die Bühne gebracht. Die stimmige, zweistündige Inszenierung und das überzeugende Spiel des siebenköpfigen Ensembles ernteten bei der Premiere am Samstag einhelligen Applaus.

Sicherheit und Angst

Satirisch behandelt Ravenhill das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Angst. Regisseur Schmidt-Rahmer verortet die Szenen in einem "Hier"- und "Dort"-Teil, beschäftigt sich mit Fragen nach den Grenzen zwischen Toleranz und wehrhafter Demokratie und zwischen Meinungsfreiheit und Provokation.

"Warum bombardiert ihr uns? Wir sind die Guten." heißt es im Stück nach einem Attentat. Die Frauen versuchen zu verstehen, ein Politiker erläutert die Sicherheitsmaßnahmen. Die Angst schleicht sich in ihre "perfekte Leben", sorgt für Verunsicherung.

Da ist die Mutter, die nervös von ihrer Kaffee-Intoleranz erzählt, jetzt auf Gemüse-Smoothies setzt, sich aber eigentlich davor fürchtet, ihr perfekt eingerichtetes Mittelstands-Leben zu verlieren.

Ebenso geht es dem Pärchen, das sein Kind vor den Grausamkeiten der Welt zu beschützen sucht. Dazwischen geschnitten sind projizierte Szenen, in denen ihr Sohn von einem Soldaten ohne Kopf heimgesucht wird.

Hysterie-Anfälle

Einen eindrucksvollen Hysterie-Anfall legt Daniel Christensen als Vater hin. Ebenso amüsant zu verfolgen, ist auch das Ausklinken des "Guten" im zweiten Teil. Bei einer Befragung verliert der Helfer aus der westlichen Welt die Kontrolle, Thomas Büchel brüllt seine Zweifel und Verzweiflung über den Demokratie-Export hinaus.

Ein sehenswerter Theaterabend, der die richtigen Fragen stellt und sie nicht ohne Humor auf die Bühne bringt.

 

Termine: 6./14./22.5.; Karten: Tel. (0201) 8 12 22 00.