Marler überfällt mit Fleischermesser Rotlicht-Club

Prozess in Essen

Es müssen beängstigende Szenen gewesen sein: Vor zwei Monaten überfiel ein 46-jähriger Verkäufer nachts einen Rotlicht-Club in Marl. Der Stammgast zog ein Messer, bedrohte eine Prostituierte – am Ende steckte er jedoch in der „Schleusen-Falle“. Am Dienstag verhängte das Landgericht Essen drei Jahre Haft.

ESSEN/MARL

03.03.2015, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war die Nacht auf den 6. Januar, als der alkoholsüchtige Mann innerhalb weniger Stunden gleich zweimal in dem Sauna-Etablissement in Marl aufgetaucht war. Beim ersten Besuch hatte der seit mehr als zehn Jahren dort ein- und ausgehende Stammfreier lediglich ein wenig an der Bar geplaudert, sich selbst zwei Bier gegönnt und einer Sauna-Dame zwei Piccolo spendiert. Dann war er gegangen. Beim zweiten Besuch - etwa eine halbe Stunde später - kam der 46-Jährige (zwei Promille) dann keineswegs mehr mit freundlichen Absichten.

Mit Fleischermesser bedroht

Die Prostituierte (31) ahnte nichts Böses, als der Stammgast gegen 1.15 Uhr erneut an der Hintertür klingelte. „Ich kannte ihn ja. Er war immer total in Ordnung und ein ganz ruhiger Mensch“, erinnerte sich die 31-Jährige. „Doch dann habe ich plötzlich das Messer gesehen. Ich war geschockt, habe um Hilfe geschrien.“ Die leicht bekleidete Frau flüchtete in eine Hinterzimmer, schloss sich ein, der Stammgast („Los, Kohle raus!“) jagte mit vorgehaltenem Fleischermesser (14 Zentimeter) hinter ihr her, stach am Ende noch zweimal mit dem Messer frustriert in die verschlossene Tür.

Kurz danach musste er sich widerstandslos von der inzwischen aus dem Hinterzimmer alarmierten Polizei festnehmen lassen. Durch den Türschleusenmechanismus war es ihm nämlich unmöglich geworden, einfach so aus den Räumen des Rotlicht-Clubs zu flüchten.

"Weiß nicht, was über mich kam"

Im Prozess hatte der bislang unbestrafte Angeklagte den Überfall zugegeben und sich bei der Sauna-Dame entschuldigt. Eine echte Erklärung für den letztlich gescheiterten Überfall blieb er schuldig. „Ich weiß auch nicht, was damals plötzlich über mich gekommen ist“, hatte er erklärt. Der Bordellchef sprach den Stammgast im Prozess direkt an: „Hätte ich die Tür aufgemacht, hättest Du mit einem Baseballschlager was vor die Birne gekriegt.“

Mit dem Urteil blieben die Essener Richter ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte und sein Verteidiger Michael Welzel (Marl) hatten noch auf eine Bewährungschance gehofft.