Maschinenhalle auf Zeche Zollern wird zur Kathedrale

Monteverdi bei der Ruhrtriennale

Die „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi ist ein Meisterwerk geistlicher Musik, die mit ihrer 90-minütigen Aufführungsdauer jeden Gottesdienst sprengen würde. Jetzt jedoch zum 450. Geburtstag des Italieners feiert sie im Konzertsaal Triumphe. Wie am Sonntag und Montag bei der Ruhrtriennale.

DORTMUND

, 21.08.2017 / Lesedauer: 2 min
Maschinenhalle auf Zeche Zollern wird zur Kathedrale

Die Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund zeigte sich erneut als idealer Ort für ein Konzert mit Kirchenmusik. Der Nachhall entspricht dem eines Gotteshauses.

Philippe Herreweghe und sein Collegium Vocale Gent fluteten damit die frisch renovierte Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen mit Klang und machten so die einstige „Kathedrale der Elektrizität“ zu einer wahren Kathedrale.

Die Dimensionen des langgestreckten, tonnendachüberwölbten Bauwerks sorgten dabei auch für eine kirchengemäße Nachhallzeit: rund fünf Sekunden in Podiumnähe, in den hinteren Reihen deutlich länger.

13 Einzelstücke Monteverdis auf Zeche Zollern

Herreweghe präsentierte die 13 Einzelstücke der „Marienvesper“ in der Reihenfolge des Erstdrucks von 1610, also im steten Wechsel von chor- und orchesterverstärkten Psalmvertonungen und intimeren, hier meist nur von ein bis zwei Langhalslauten begleiteten geistlichen Konzertsätzen. Sein Chor bestand aus gerade einmal 14 Sängern, das Orchester aus nur 15 Musikern.

Im besonderen Fokus standen durchweg die schlanken, beweglichen Stimmen der perfekt harmonierenden und durch ihre derzeitige Monteverdi-Tour auch als Ensemble zusammengeschweißten acht Gesangssolisten. Vier von ihnen traten besonders hervor: Dorothee Mields und Barbora Kabátková jubilierten im „Laudate pueri“, im „Pulchra es“ umschmeichelten sich ihre feinen Sopranstimmen.

Himmel über Kathedrale lichtet sich zum Schluss

Tenor Reinoud Van Mechelen sang das „Nigra sum“ flehentlich und mit betörender Schlichtheit. In „Duo Seraphim“ lieferte er sich einen Koloraturwettstreit mit Tenor Samuel Boden.

Als die beiden Tenöre in „Audi coelum“, einander Echo gebend, Maria mit der Morgenröte und der Sonne verglichen, verdunkelte es sich beim Sonntagskonzert draußen und Regentropfen mischten sich in ihren Gesang. Zum nachfolgenden „Lauda, Jerusalem“-Jubel war es wieder hell.