Mascots: Emotionen in Plüsch

Impulse Festival

WEITMAR Maskottchen sind sicherlich nicht das, was man gemeinhin mit dem Begriff "Tiefgang" verbindet. Gegen dieses Vorurteil wird fleißig im Theaterstück des prinz regent theaters angekämpft - glücklicherweise unerfolgreich.

von Von Daniel Glade

, 02.12.2009, 16:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Was steckt hinter der Maskottchen-Fassade? Im prinz regent theater gab es Antworten.

Was steckt hinter der Maskottchen-Fassade? Im prinz regent theater gab es Antworten.

Jeder kennt sie und hat sie schon einmal irgendwo gesehen: Maskottchen - die winkenden Werbeträger aus Plüsch gewordener Begeisterung, die bei diversen Großveranstaltungen für gute Laune sorgen sollen.Blick hinter die Fassade Doch was steckt eigentlich hinter der Fassade aus emotionaler Eintönigkeit? Wie sind Maskottchen wirklich? Diesen überfälligen Fragen geht die Gruppe "Schauplatz International" in ihrem Stück "M*A*S*C*O*T*S" nach.

Am Dienstag war die geniale Mischung aus Anarcho-Comedy und Tiefgang beim Impulse Festival im prinz regent theater zu sehen.

Tapsiger Showtanz Als theatralische Task-Force konnten die Macher zwei fast vergessene Maskottchen aus den Kellern ihrer ehemaligen Arbeitgeber befreien: Smoony (Ski-WM 2003) und Mäxx (Handball-EM 2006). Bei persönlichen Gesprächen und klassischer Musik sollen die Maskottchen nun in neue emotionale Tiefen vordringen. Doch selbst bei einem Dokumentarfilm über ein Konzentrationslager können Smoony und Mäxx nicht raus aus ihrer Haut - fröhliches Winken und tapsiger Showtanz bleiben ihre einzigen Ausdrucksmittel.

Sogar die Tragik des Mutter-Tochter-Konflikts aus Bergmanns "Herbstsonate" will sich den beiden Berufs-Bespaßern nicht erschließen. In einer urkomischen Parodie einer Filmszene lassen die Maskottchen jegliche Dramatik zur Farce werden - wenn die Darsteller in überdimensionierten Plüschkostümen stecken, lässt sich eben auch über menschliche Tragödien nur noch herzhaft lachen.

Tiefgründige Fragen Ganz nebenbei wirft die Gruppe so die durchaus tiefgründige Frage auf, inwieweit sich einzelne Schauspieler und das Theater an sich hinter Masken, Rollen und großen Gesten verstecken können und dürfen.

Erschöpfte Schauspieler Am Ende zeigte sich dann doch noch, was wirklich in Smoony uns Mäxx steckt: Zwei sichtlich erschöpfte Schauspieler, die sich den Schlussapplaus wirklich verdient hatten.