Masken-Drama hinter den Kulissen: „Annahme verweigert“

Coronavirus

Gestohlen, verschwunden, mangelhaft: Das Drama um dringend benötigte Atemschutzmasken beschäftigt Öffentlichkeit und Behörden seit Wochen. Nun schildert eine Unternehmerin ihre Sicht der Dinge.

Düsseldorf

29.04.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Modedesignerin Ayse Kök hat sich vom NRW-Gesundheitsministerium erpresst gefühlt.

Modedesignerin Ayse Kök hat sich vom NRW-Gesundheitsministerium erpresst gefühlt. © picture alliance/dpa

Eigentlich ist sie Modedesignerin. Mit guten Kontakten nach China. Ayse Kök (44) hat, als die Corona-Krise kam, keine Soforthilfe beantragt. Sie hatte stattdessen eine Idee: Atemschutzmasken beschaffen für NRW. Schließlich kannte sie eine chinesische Unternehmerin mit entsprechender Produktion.

Inzwischen ist ihre Euphorie verflogen: „Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und mich mehrfach übergeben.“ Die Masken seien da, aber das Land wolle sie plötzlich nicht mehr. Stundenlang habe am Dienstag der Lastwagen mit der ersten Ladung Masken vor dem vereinbarten Anlieferungsort gewartet.

Zollformalitäten zum Schutz der Käufer geändert

Doch das Land habe die Annahme verweigert - der Laster sei mitsamt der lange ersehnten Fracht umgekehrt. Um sechs Stunden habe sie am Montag den Liefertermin verpasst, sagt Kök. Aber das sei nicht ihre Schuld gewesen, schließlich habe China zwei Mal die Zollformalitäten geändert - auch zum Schutz der deutschen Käufer vor unseriösen Anbietern.

Sechs Stunden Verspätung seien da vergleichsweise glimpflich, das habe auch die Lufthansa der Landesregierung mitgeteilt und um Verständnis gebeten. Das NRW-Gesundheitsministerium verweist auf nicht eingehaltene Liefertermine. Die erste Lieferung sei am Dienstag deswegen tatsächlich zurückgewiesen worden, inzwischen - am Mittwoch - aber angenommen worden.

„Ich habe mich erpresst gefühlt“

Laut Kök hat sich die Sache so abgespielt: Als die Ware endlich in der Luft und auf dem Weg nach Deutschland gewesen sei, habe sie einen Anruf aus dem NRW-Gesundheitsministerium erhalten. Der Mitarbeiter habe sie mehrfach aufgefordert, sofort vom Vertrag zurückzutreten. „Ich habe mich erpresst gefühlt. Das ist doch wirklich Schikane“, sagt Kök.

Ihr Problem: Sie hat kaum Eigenkapital und das Land geht nicht in Vorkasse. Mit der Rate für die erste Teillieferung muss sie die nächste finanzieren - und so weiter. Platzt der Plan, ist ihre Firma insolvent. „Das wusste der Mitarbeiter im Ministerium auch ganz genau.“

Ursprünglich habe sie 26 Millionen Masken liefern wollen, aber der Investor sei abgesprungen. Man habe sich deshalb auf 8,4 Millionen Masken geeinigt und den ursprünglichen ersten Liefertermin vom 20. auf den 27. April verschoben. Kök hat ihren Anwalt eingeschaltet und die Presse informiert.

Es geht um Menschenleben und einen gravierenden Mangel an Schutzausrüstung

Anwalt Markus Kreuzkamp wird deutlich: „Prinzipienreiterei“ dürfte angesichts der Tatsache, dass es um Menschenleben gehe und ein gravierender Mangel an Schutzausrüstung in den medizinischen Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen bestehe, wohl fehl am Platze sein, schreibt er.

Dann sei doch noch mal Bewegung in die Sache gekommen, sagt Kök. Man habe sich auf einen Vergleich geeinigt: Insgesamt soll sie nur noch 2,4 Millionen Masken liefern. An diesem Mittwoch seien die ersten 30 000 Masken erneut angeliefert und endlich angenommen worden. Vielleicht gehe die Sache für sie doch noch glimpflich aus.

Andererseits: „Ich habe Angst bekommen vor NRW.“ Außerdem habe die verzögerte Annahme ein neues Problem erzeugt: „Ich bekomme mein Geld später, kann später zahlen und nun sind Feiertage in China. Das kann die nächste Lieferung um bis zu fünf Tage verzögern.“

dpa

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