Mathilde Monniers Choreografie „Surrogate Cities Ruhr“

Ruhr Triennale

In einer Stadtgesellschaft gibt es nicht nur ein Nebeneinander vieler Stimmen, sondern auch ein Über- und Untereinander verschiedener Schichten. Beide Perspektiven fanden deutlichen Ausdruck in der Premiere von Mathilde Monniers neuer Choreografie zu Heiner Goebbels Komposition "Surrogate Cities" im Programm der Ruhrtriennale.

Duisburg

, 21.09.2014, 15:08 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mathilde Monniers Choreografie „Surrogate Cities Ruhr“

Szene aus der Choreografie »Surrogate Cities Ruhr« in der Duisburger Kraftzentrale.

"Surrogate Cities Ruhr" heißt die Neukreation, weil Mathilde Monnier mit rund 150 Menschen des Ruhrgebiets gearbeitet hat - vom Grundschulkind bis zum "Golden Ager" aus dem Standardtanz-Verein. Sie hat diese Menschen keine Bewegungsmuster aus Ballett oder Ausdruckstanz gelehrt.

Nach dem "No Education"-Prinzip hat Monnier sich von ihren Bewegungsmustern inspirieren lassen, sie im riesigen Bühnenraum der Duisburger Kraftzentrale mehr angeordnet als choreografiert.

"Schließlich werden die Amateurtänzer auf der Szene sich physisch mit dem Orchester konfrontieren, diesem lebenden Monument, dem sie sich angleichen und vom dem sie sich absetzen", sagt Mathilde Monnier.Wie ein Ufo Was am Premierenabend in der Kraftzentrale geschieht, kann so auch als Analogie zum Verhältnis der Ruhrgebiets-Gesellschaft zu einem Hochkultur-Festival gelesen werden: Die Bochumer Symphoniker liegen wie ein Ufo in der Raummitte. Dirigent Steven Sloane treibt sie an, Heiner Goebbels 20 Jahre alte, flirrende Komposition zu spielen, die nach echter Metropole klingt - nach London oder New York. Weil das große Orchester um einen Sampler ergänzt ist, hört man auch ganz real den Lärm großer Straßen, Stimmengewirr.

David Moss brabbelt wie ein verrückter Outsider, Jocelyn B. Smith singt Texte aus Heiner Müllers "Der Horatier" wie Broadway-Standards.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

Doch die "Tänzer" kommen nicht aus einer solchen Metropole. Sie kommen aus dem polyzentrischen Ruhrgebiet, einer Ansammlung kleinerer und mittlerer Städte. Sie agieren nicht mit, sondern neben dem Orchester, das tatsächlich wirkt wie ein Monument. Sie trauen sich nicht, seine Schwelle zu übertreten.

Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ist auch das Publikum: Das Geschehen ist deutlich auf Tribüne B ausgerichtet, auf Tribüne A wünschen sich die Menschen auf die andere Seite, sie wollen teilhaben - doch sie werden sie nie erreichen. 

Termine: 26./27.9.; Karten: Tel.Tel. (0221) 2802 10.

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