Matthias Schweighöfer findet sich als Frau sexy

Kinofilm "Rubbeldiekatz"

Matthias Schweighöfer will nie mehr Stöckelschuhe tragen. Im neuen Detlev-Buck-Film „Rubbeldiekatz“ spielt der Mädchenschwarm einen Mann in Frauenkleidern. In Münsters Cineplex sprach er über die Hölle an den Füßen und über "Killer-Schlüpper".

MÜNSTER

13.12.2011, 21:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Muss er gar nicht. Matthias Schweighöfer soll aussehen wie Matthias Schweighöfer. Blond, breitschultrig, mit unwiderstehlichem Lächeln. Dass er im aktuellen Film fast nur Frauenkleider trägt, ist total egal. „Wir wollen dich!“, liest Schweighöfer von einem Plakat in der ersten Reihe ab. Das Mädchen, das das Schild hält, ist 15. „Wenn meine Tochter mit 15 so was macht, dann bring’ ich sie um“, scherzt der Schauspieler. Seine Tochter ist drei. Er gibt sich ganz als der nette Junge von nebenan. Hilft, die fast ehrfürchtige Stimmung zu lockern. Redet über seine Tochter, über Weihnachten. Was er ihr schenkt, weiß er noch nicht. „Das kleine Mistschwein hat schon alles“, sagt er lachend. „Ich finde Geschenke völlig überbewertet. Für meine Freundin bin ich Geschenk genug.“ Er lacht sich schlapp über den Gag. Der eigentlich keiner ist. In dem Saal hätte ihn wohl jede gern zum Geschenk. Er müsste noch nicht mal eingepackt sein. Selbst auf High Heels ist er gut. Dann ist der 1,79 Meter große Mann plötzlich eine 1,85 Meter große Frau. Schweighöfer spielt den Mann, der sich als Frau verkleidet, um eine Traumrolle in einem Hollywoodfilm zu bekommen, nicht nur fantastisch, er sieht als Frau auch noch fantastisch gut aus. Ein bisschen wie Hillary Clinton, meint er. Selbst gute Freunde hätten ihn in der Aufmachung nicht erkannt. Seine Mutter habe einen Schock gekriegt, als sie ihn so gesehen habe, erzählt er, seine Freundin nannte ihn „schick“, Regisseur Detlev Buck habe seinen Arsch geil gefunden. Nur auf dem Pissoir am Filmset habe Buck sich immer erschreckt, wenn eine Frau an der Pinkelrinne stand.

Schweighöfer kam sich selbst manchmal fremd vor. Und sexy. Richtig attraktiv. „Ein bisschen kräftig für eine Frau, aber krass“, sagt er beim Pressegespräch. Er habe sogar ausprobiert, wie es ist, mit den künstlichen Brüsten zu schlafen. „Das war ein cooles Gefühl.“ Auch sein Verhalten habe sich durch die Verwandlung verändert: „Sobald ich die Frauenklamotten anhatte, redete ich mit meiner Kollegin Alexandra Maria Lara über Beziehungen.“ Im Kinosaal im Kapuzenpulli lädt er zum Scherz die wenigen Männer lieber zum Bier an den Tresen ein. Das Frausein vermisst er nicht. Auch wenn es sehr schön gewesen sei, im Film einen Mann zu küssen. „Ich bin gerne Mann“, sagt er. Was Frauen alles auf sich nehmen, um schön zu sein: Er versteht es nicht. Das Fertigmachen vor dem Ausgehen. „Und dann diese Cellulite-Arsch-weg-Killer-Schlüpper: Wenn du da pinkeln gehen willst, verrenkst du dich total!“

Wie er sich verrenken muss, um eine perfekte Frau zu sein, hat ihn eine Frau gelehrt. Zoe. Model und Muse von Designer Guido Maria Kretschmer. „Die hat mir alles beigebracht.“ Wie das ist, sich als Frau hinzusetzen. Wie man auf hohen Schuhen Balance hält. Bleistiftabsätze! „Die wurden extra für mich angefertigt. Es war, als ob man auf einem Zirkel läuft.“ Die ersten vier Tage auf Stöckelschuhen seien die Hölle gewesen. Dass er „Stab“ sagt statt Absatz, verzeiht man ihm. Man hat eher Mitleid. Wegen seiner Beinschmerzen. Es muss dramatisch gewesen sein. „High Heels“, sagt Schweighöfer, „zieh’ ich nie wieder an.“ Einzig das Schminken werde ihm fehlen. Das fand er immer schön. Schweighöfer gibt noch Autogramme. Eine schier endlose Schlange reiht sich vor ihm die Kinotreppen hoch. Eine Stunde schreibt er, lässt sich knipsen, Arm in Arm mit jungen Mädchen. Das perfekte Weihnachtsgeschenk.

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