Medienkunst gewinnt Profil

Glaskasten Marl

Der Aufbruch zu neuen Ufern war ein Wagnis. Aber für das Marler Skulpturenmuseum Glaskasten hat er sich ausgezahlt. Um das Profil seines Hauses zu schärfen, hat Museumsdirektor Georg Elben den Videokunst- und den Klangkunst-Preis nicht nur erstmals zusammen sondern auch zum ersten Mal international ausgeschrieben.

MARL

von Von Bernd Aulich

, 12.11.2013, 18:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Dafür gibt es den Videokunst-Preis: In "Reign of Silence" zeigt der Österreicher Lukas Marxt den Menschen als winzige Kreatur gegenüber der gewaltigen Natur.

Dafür gibt es den Videokunst-Preis: In "Reign of Silence" zeigt der Österreicher Lukas Marxt den Menschen als winzige Kreatur gegenüber der gewaltigen Natur.

Das Ergebnis gibt ihm Recht. Alle drei vergebenen Preise gehen an Künstler aus dem Ausland. Dabei stammt von den 550 Einsendungen aus über 40 Ländern nur gut ein Drittel aus dem Ausland.

Den Aufbruch symbolisiert der mit dem Klangkunst-Preis bedachte, in Berlin lebende Amerikaner Douglas Henderson mit seiner Auftragsarbeit "Under Way". Die mit LED-Lämpchen bestückte kinetische Klangskulptur ist dem Kreiselkompass einer Schiffsbrücke nachempfunden. Die Schwingungen der Apparatur setzen sich in Klangschwingungen fort.

Geräusche aus dem Vogelhäuschen

Gewitzt gewinnt der 53-jährige Henderson in seinem Skulpturen-Ensemble "In Order" von 2012 der Klangkunst visuelle Gestalt ab. Über acht Kanäle wird aus acht Grammofon-Trichtern, die auf Vogelhäuschen montiert sind, die Gedichtrezitation eines Slam-Poeten multipliziert.Den Videokunst-Preis teilen sich der in Köln lebende 30-jährige Österreicher Lukas Marxt und der 32-jährige Franzose Nicolas Carrier aus Paris. Marxt ist mit "Reign of Silence" ein faszinierendes Gleichnis für Größe und Gewalt der Natur geglückt. Vor einem mächtigen Eisberg dreht ein Seemann in einem norwegischen Fjord seine Runden. Im Hintergrund ertönt der Funkkontakt.

Architektur-Ruine

Einen gespenstischen sozialen Niedergang, der dem nördlichen Revier bisher zum Glück nicht beschieden ist, zeigt Nicolas Carrier in seinem Video "It's the Ghost" in der toten Kulisse einer unvollendeten, unbewohnten Neubau-Siedlung in der Nähe der Stadt Cork. In dieser in besseren Zeiten geplanten Architektur-Ruine schlagen spielende Kinder und Jugendliche aus der Umgebung die Zeit tot.

Skulpturenmuseum Glaskasten Marl: "Marler Medienkunst-Preise", bis 12. 1., Creiler Platz 1, D-Sp 10-18 Uhr.

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