Mega-Schau "China 8" zeigt Kunst aus Fernost tief im Westen

In acht Städten

Wenn man es schon nicht schafft, nach China zu reisen, dann holt man sich China halt in die Metropole Ruhr. Walter Smerling, Initiator der Mega-Ausstellung und Chef der Duisburger Küppersmühle, weiß, was er an der am Freitag (15.5.) startenden Schau hat. Sie ist nicht nur die weltweit größte Ausstellung für zeitgenössische chinesische Kunst, sondern lässt viele Großstädte an Rhein und Ruhr bis zum 13. September zu einer riesigen Kunsthalle verschmelzen.

ESSEN

, 11.05.2015, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mega-Schau "China 8" zeigt Kunst aus Fernost tief im Westen

Dieses Foto von Alfred Ko ist im Essener Museum Folkwang ausgestellt. Es zeigt eine Straßenszene in Hong Kong und zeichnet ein freundliches Bild der Stadt.

„Während der Reise in die verschiedenen teilnehmenden Museen, erlebt man während der Schau, welche museale Dichte das Ruhrgebiet hat“, sagt Walter Smerling, dem das Projekt in den Sinn kam, als er vor zwei Jahren eine Ausstellung über chinesische Malerei in Recklinghausen besuchte.

Warum das Ganze nicht auf die ganz große Bühne bringen, dachte sich Smerling – die Idee zur Mega-Schau war damit geboren.

Kritische Kunst

Ein Kuratorium bestehend aus ihm, Tobia Bezzola (Direktor Folkwang Museum) und Ferdinand Ullrich (Direktor Kunsthalle Recklinghausen) machte sich schließlich mehrfach auf den Weg nach China, besuchte dort rund 200 Galerien, um eine möglichst breite, aber nicht enzyklopädische Sammlung an Kunstwerken für die Schau an Rhein und Ruhr zu gewinnen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

China 8

08.05.2015
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Das NRW-Forum Düsseldorf präsentiert in seinen weitläufigen Ausstellungsräumen einen Überblick der Ausstellung CHINA 8, die auf acht Städte an Rhein und Ruhr verteilt ist. Zu sehen sind in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt einzelne Werke von rund 35 der insgesamt 120 an diesem städteübergreifenden Ausstellungsprojekt beteiligten chinesischen Künstler. Im Bild: "Tempel" von Wang Qingsong© Wang Qingsong
Das Kunstmuseum Gelsenkirchen gibt in der Alten Villa mit zwölf Positionen einen Einblick in die multimediale Auseinandersetzung chinesischer Künstlerinnen und Künstler mit der traditionellen Tuschemalerei und Kalligrafie. Diese Küste gehören mit ihrer über 2000 Jahre alten Tradition zu den ältesten Kunstformen der Welt. Seit 15 Jahren ist in China eine Rückbesinnung auf die Kunst zu erkennen. Im Bild: "The Night of Time Vivarium" von Sun Xun.© Sun Xun
Dieses Foto von Alfred Ko ist im Essener Museum Folkwang ausgestellt. Es zeigt eine Straßenszene in Hong Kong und zeichnet ein freundliches Bild der Stadt. © Foto: Alfred Ko
Die im Museum Küppersmühle ausgestellten chinesischen Maler wurden Ende der 1950er und 1960er Jahre geboren. Zhang Xiaogang etwa verleiht seinen Werken ihren spezifischen Charakter, indem er expressionistische und surrealistische Elemente kombiniert und in eine neue Bildsprache überführt. Zeng Fanzhi dagegen hat einen Stil entwickelt, den man als symbolischen Expressionismus bezeichnen könnte. In seinen Landschaftsbildern spielt er auf die traditionelle Malerei an, die er gleichermaßen malerisch wie inhaltlich ins Verworren-Mehrdeutige transferiert. Im Bild: "Hare'" von Zeng Fanzhi.© Zeng Fanzhi
Das Mülheimer Kunstmuseum zeigt Werke mit experimentellem und interaktivem Charakter – Modelle der Irritation. Sie zeigt, wie sehr sich die Künstler von heute von nationalen Dogmen gelöst haben. In Zhou Xiaohus 16 Meter langer Tunnel-Inszenierung, werden Besucher in die Illusion versetzt, mit den „Mächtigen“ der Welt direkt in Dialog treten zu können. Im Bild: Eine Video-Projektion von Zhou Xiaohu© Zhou Xiaohu
Videos und Sounds stehen im Marl im Fokus. Die Themen der Videos beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Phänomenen, wie die sich rasant ändernden Lebensbedingungen. Viele Werke lesen sich als eine kritische Begleitung des zeitgenössischen Alltags. Yang Zhenzhong widmet sich mit seiner Videoarbeit „Exam“ dem Gedanken des Funktionierens ohne zu begreifen. Im Bild: Eine Sound-Installation von Zhang Ding© Zhang Ding
Die Kunsthalle Recklinghausen zeigt mit dreizehn jungen und etablierten Positionen ein Panorama der Malerei Chinas. Dessen moderne Malerei weist eine relativ kurze, aber turbulente Geschichte auf. Das Bizarre und Groteske waren willkommene Möglichkeiten, eigene Akzente zu setzen und Aufmerksamkeit zu erregen, um mit westlichen Einflüssen zu brechen. Im Bild: "Trivialism" von Yue Minjun.© Yue Minjun
Das Lehmbruck Museum präsentierten unterdessen Skulpturen, die Geschichten aus der chinesischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erzählen. Dabei interessieren sich die chinesischen Bildhauer vielfach für die soziale Funktion menschlichen Handelns. Basierend auf den traditionellen plastischen Materialien entstehen vielfältige Ausdrucksformen und neue Figurationen, die eine soziale Kritik in sich tragen. Die Künstler reizen hierbei das Material bis an seine Grenzen aus, überwinden konventionelle Formen und schaffen neue Zusammenhänge. Fang Lijun beispielsweise zeigt erstmals außerhalb Chinas seine Porzellanskulpturen, die einen ironischen Bezug zu den „Mao-Bibeln“ herstellen. Im Bild: "Bang!" von Xiang Jing© Xiang Jing
Das Osthaus Museum zeigt Installationen, die provozieren und neue Zusammenhänge generieren. Yin Xiuzhen etwa macht aus Altkleidung Rauminstallationen. Das Bild zeigt Lin Tiamiaos "Statue"

„Und um zu zeigen, welche Gegensätze in China aufeinanderprallen“, wie Smerling betont. Es sind Gegensätze, die sich durchaus auch in politik- und sozialkritischer Kunst manifestieren, auch wenn es angesichts des zensurfreudigen chinesischen Regimes nicht einfach fällt, es zu glauben.

Jedenfalls betont Smerling, es habe „keinerlei Probleme mit den Behörden gegeben, Künstler und Kunstwerke nach Deutschland reisen zu lassen.“

Ai Weiwei ist nicht dabei

So zeigt das Folkwang Museum unter anderem Fotoarbeiten von Hong Konger Künstlern, die Szenen der Proteste gegen das Regime bebildern.

Von den 120 Künstlern, die bei „China 8“ ihre Werke zeigen, kommen 14 aus Hong Kong.

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Auch Ai Weiwei, einer der bekanntesten regierungskritischen Künstler Chinas, wurde eingeladen, sagte seine Beteiligung jedoch ab. Gründe nannte er nicht. Ein fader Beigeschmack bleibt.

Zwei Städte nicht dabei

Während das gänzlich aus privaten Mitteln geförderte Projekt in acht Städten an Rhein und Ruhr stattfindet, nehmen zwei Großstädte nicht teil. In Dortmund fehlt dafür schlichtweg der Platz. Das Museum Ostwall zeigt dort ab morgen stattdessen Meisterwerke von Caspar David Friedrich bis Max Beckmann. Und das Kunstmuseum Bochum verzichtet, weil „China 8“ kein geschlossenes Projekt der Ruhrkunstmuseen ist.

Dabei bietet die Schau die einmalige Chance, das fernöstliche Land mit den vielen Kontroversen zwischen Landmonotonie und Mega-Städten so zu sehen, wie es dessen Künstler sehen – und das auch noch tief im Westen.

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