Mehr Impfstoff, mehr Impfangebote: Fragen und Antworten zur Impfstrategie in NRW

Corona-Impfung

Die Impfzentren hatten mangels Impfstoff am Anfang nur wenig zu tun - das soll sich nun ändern. Weitere Berufsgruppen sollen ihre Spritze bekommen und zusätzliche Impfzentren könnten eröffnen.

05.03.2021, 19:13 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Mitarbeiter vom Impfzentrum hält eine Spritze mit dem Covid-19-Impfstoff in der Hand - das Impftempo in NRW soll angezogen werden.

Ein Mitarbeiter vom Impfzentrum hält eine Spritze mit dem Covid-19-Impfstoff in der Hand - das Impftempo in NRW soll angezogen werden. © picture alliance/dpa

Wesentlich mehr Menschen in Nordrhein-Westfalen sollen ab diesem Montag ein Impfangebot gegen das Coronavirus erhalten: Kita-Erzieherinnen, Tageseltern, ein Teil der Lehrer und der Polizisten sowie Personen in den Werkstätten für behinderte Menschen kommen laut Landesregierung ab dem 8. März an die Reihe. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) spricht von einem „Impf-Turbo“, der mit steigenden Impfstoffmengen jetzt in NRW gezündet werde.

Der anfängliche Engpass bei den verfügbaren Impfstoffmengen soll im März beseitigt sein. Deshalb sollen Hausärzte, die chronisch Kranke behandeln, Ende März in das Impfen gegen Corona einbezogen werden. Wer genau bekommt ab 8. März ein Impfangebot? Im Bereich der Kitas sind das nach Angaben des Familienministeriums 125 500 pädagogische Beschäftigte.

Altersbegrenzung bei Astrazeneca-Impfstoff entfällt

Hinzu kommen 26 500 Personen, die zum Beispiel eine hauswirtschaftliche Tätigkeit ausüben oder auch als Kita-Helfer tätig sind. Außerdem gehören landesweit etwa 16 000 Tagesmütter und -väter dazu. Im Bereich der Schulen geht es um die Lehrerinnen und Lehrer sowie weiteres Personal an den Grund- und Förderschulen. Dabei werden auch die OGS-Betreuer einbezogen. Nach Daten des Gesundheitsministeriums sind das 89 000 Menschen.

Bei der Polizei kommen zunächst 36 000 Polizisten mit direktem Personenkontakt beginnend mit den Einsatzhundertschaften dran. Das gilt auch für Beschäftigte und Personal der Werkstätten für behinderte Menschen.

Welcher Impfstoff kommt zur Anwendung?

In der Regel wird bei den neu zu impfenden Berufsgruppen das Präparat von Astrazeneca eingesetzt. Das Vakzin wurde bisher nur Personen unter 65 Jahren verabreicht. Diese Altersbegrenzung ist inzwischen entfallen.

Deshalb rechnet Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) damit, dass die Impfungen für Lehrer, Kita-Personal und Polizei nicht so schnell vorangehen wie zunächst mit der Altersbeschränkung angenommen. Um das Tempo der Impfaktion zu erhöhen, hat das Land beim Astrazeneca-Vakzin die Zweitimpfung von der neunten auf die zwölfte Woche verschoben. Das wird den Angaben zufolge nach neuen Erkenntnissen sogar empfohlen.

Wo wird geimpft?

Die neu zu impfenden Berufsgruppen werden voraussichtlich in den Impfzentren gepikst. Die Kommunen können je nach Gruppe und Bedarf aber auch mobile Impfteams einsetzen. In den Impfzentren werden zum großen Teil Menschen über 80 Jahre versorgt, die zu Hause wohnen. Sie erhalten den Impfstoff von Biontech/Pfizer, bei dem die Hälfte der Dosen für die zweite Spritze aufgehoben wird.

Daneben wird auch in den Krankenhäusern das Personal geimpft. In den Unikliniken erhalten besonders gefährdete Mitarbeiter den Impfstoff von Moderna. Ab 1. April sollen die Impfkapazitäten steigen. Dafür kann pro Kreis oder kreisfreier Stadt ein weiteres Impfzentrum eröffnet werden.

Wo steht die Impfaktion jetzt?

Die Impfungen hatten Ende Dezember bei den über 80-Jährigen begonnen, die in Pflegeheimen wohnen. Diese Aktion mit mobilen Impfteams ist abgeschlossen. Ein Schwerpunkt ist nun die Impfung der über 80-Jährigen, die zu Hause wohnen. Die Erst- und Zweitimpfungen zusammengenommen sind mehr als 1,67 Millionen Termine in den Impfzentren gebucht.

Zur ersten Priorisierungsgruppe gehören unter anderem auch Mitarbeiter des Rettungsdienstes wie Feuerwehrleute. Seit zwei Wochen laufen daneben auch Impfungen in der zweiten Priorisierungsgruppe mit hoher Priorität. Inklusive des Personals der Arztpraxen und Eingliederungshilfe geht es um mehr als 750 000 Menschen, die gerade an die Reihe gekommen sind oder die jetzt an die Reihe kommen.

Wie geht es weiter?

In der Altersgruppe der über 70-Jährigen bis 79-Jährigen sollen 1,6 Millionen Menschen versorgt werden. Sie gehören ebenfalls zur zweiten Impfgruppe. Laumann ging davon aus, dass sie Ende April oder Anfang Mai an die Reihe kommen werden. Nach dem Wegfall der Altersbegrenzung beim Impfstoff von Astrazeneca gibt es noch keine neuen Informationen dazu. Die Impfung der chronisch Kranken soll voraussichtlich Ende März beginnen.

Das soll über die Hausarztpraxen erfolgen. Die Impfungen von schwer pflegebedürftigen Menschen, die im eigenen Haushalt leben, sollen in den nächsten Wochen mit einem Modellprojekt starten. Laumann rechnet bis April mit insgesamt gut zwei Millionen Erstimpfungen in NRW. Damit wären dann mehr als zehn Prozent der Einwohner des Bundeslandes geimpft. Bisher haben 5,5 Prozent der Einwohner die erste Spritze erhalten.

dpa

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