Mehr Selbstbestimmung für Sexarbeiterinnen

Neue App für Smartphones

Lola: So heißt das neue Projekt, das NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens und der Bochumer Verein Madonna Mitte März vorgestellt haben. Seitdem ist die App im Netz kostenlos für Sexarbeiterinnen zu haben. Sie soll den Sexarbeiterinnen helfen, selbstbestimmter zu leben.

BOCHUM

26.03.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die neue Sexworker-App gibt es nun kostenlos zum Download.

Die neue Sexworker-App gibt es nun kostenlos zum Download.

Lola ist eine neue Sexworker Info-App, die der Verein Madonna mithilfe einer Förderung des Landes entwickelt hat. 92.000 Euro standen der Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen dabei zur Verfügung. Hintergrund ist, dass die Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Professionalisierung der Sexarbeiter verbessert werden soll.

„Doch die Frage war erst einmal: Wie?“, sagt Astrid Gabb von Madonna. Mitte des vergangenen Jahres setzten sich Mitarbeiter des Vereins, Streetworker und Sexarbeiterinnen zusammen. Fest stand laut Gabb, dass ein Weg gefunden werden sollte, auf dem man den Sexarbeiterinnen auf direkte Art und Weise alle wissenswerten Informationen zu Themen wie der Sexarbeit, der Gesundheitsvorsorge, der Schwangerschaft und Sexualität, dem Zwang und der Gewalt, aber auch der Migration nahebringen konnte.

Denn mittlerweile kommt ein Großteil der in Deutschland arbeitenden Sexarbeiterinnen aus Südosteuropa und beherrscht die deutsche Sprache gar nicht bis nur bedingt.

In vielen Sprachen

Eines haben die Frauen aber meistens gemeinsam: Sie sind sehr gut vernetzt. Das Handy, so habe es sich bei den Gesprächsrunden schnell herausgestellt, wussten alle zu bedienen. Außerdem müssen Sexworker mobil sein. Denn sie seien häufig heute in der einen und morgen in einer anderen Stadt. Schnell stand fest, dass man die Sexarbeiterinnen am besten über das Smartphone erreicht. Die Idee zur App war geboren: Und um diese in die Tat umzusetzen, holte man sich technisch versierte Hilfe ins Boot.

Mehr als ein halbes Jahr lang wurden die App entwickelt, Aufklärungsvideos gedreht, Beschreibungen geschrieben. „Die wurden auch eingesprochen“, sagt Gabb, „Frauen, die schlecht lesen können, können sich die Beschreibungen anhören.“

Das forderte die meiste Zeit. „Alleine die Beschreibungen der Beratungsstellen in NRW umfassen 155 Audiodateien.“ Eingesprochen wurden diese zum größten Teil von Sexarbeiterinnen selbst – in fünf verschiedenen Sprachen: Lola ist auf Deutsch, Bulgarisch, Türkisch, Rumänisch und Englisch verfügbar.

Großes Interesse

Ob weitere Sprachen folgen, ist zurzeit ebenso unklar wie die Frage, ob die App in Zukunft auf ganz Deutschland erweitert wird. Das bundesweite Interesse sei aber groß.

Vorerst konzentriere man sich in Bochum jedoch darauf, das Angebot der App auszubauen. Beispielsweise wird im April ein Beratungs-Chat online gehen und es sollen noch weitere Aufklärungsvideos gedreht werden. Denn mit dem Chat und den folgenden Videos sei dieses fürs Erste eigentlich schon voll ausgeschöpft

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