Mein Job, mein Haus, mein Frauchen

Westfälisches Landestheater

Nora (Pia Seiferth) kommt vom Shoppen und trällert "Last Christmas". Herrlich, dass ihr Torvald (Maximilian von Ulardt) jetzt Bankdirektor ist.

CASTROP-RAUXEL

, 05.02.2017 / Lesedauer: 2 min
Mein Job, mein Haus, mein Frauchen

Pia Seiferth spielt die Nora.

Genug Geld, um das Familiennest herzurichten und die Küken zu beschenken. Ist das Leben nicht schön? Nicht wirklich. Wo Henrik Ibsen sein Seziermesser ansetzt, legt er ein Geflecht aus Abhängigkeit und Zwang frei.

Eheliches Zwangskostüm

"Nora oder ein Puppenheim" entstand 1879 und beschreibt, wie eine Frau ihr eheliches Zwangskostüm abstreift und einen Befreiungsschlag landet. Markus Kopfs Inszenierung am Westfälischen Landestheater (Premiere war am Samstag) verlegt die Handlung ins Heute und vertraut mit Recht darauf, dass manche Muster von Beziehung dieselben sind wie früher: Für Männer wie Torvald ist die Frau die schmucke Verlängerung ihrer selbst, Dekoration des erfolgreichen Machers. Mein Job, mein Haus, mein Frauchen. Torvald nennt Nora "meine Sing-Lerche, mein Eichhörnchen", spricht zu ihr wie mit einem Kind. Nora gibt das folgsame Püppchen - noch.

Bewegung kommt in die Konstellation, als ein Bankgehilfe (Guido Thurk) Nora erpresst. Er lieh ihr Geld, sie fälschte die Unterschrift ihres Vaters. So ganz schöpft das Stück sein psychologisches Potenzial nicht aus. Von Ulardt tut übertrieben viel in seiner Wut-Szene, pfeffert Geschenke weg, umklammert hilflos den Tannenbaum.

Akt der Befreiung

Seiferth zeigt Noras verzweifelte Heiterkeit, den Keim von Wut und Aufbegehren sieht man nicht bei ihr. Vesna Buljevic und Bülent Özdil (beide mit Tiefe) spielen Nebenrollen, deren Tragik und Dilemma mehr einleuchten als Noras abrupter Akt der Befreiung. Stimmig, die Bühnenmetapher von Manfred Kaderk: eine Welt in Schieflage, doppelbödig, mit Falltüren gespickt. Großer Beifall trotz kleiner Schwächen.

Termine: 12./25./26./, 28.2; Karten: Tel. (02305) 978020.