Mengeder betroffen von Verwahrlosung

MENGEDE Schockiert reagierten am Freitag Mengeder Bürger, als sie durch die Ruhr Nachrichten von dem tragischen Fall zweier verwahrloster Mädchen in ihrer direkten Nachbarschaft erfuhren.

von Von Holger Bergmann

, 22.02.2008, 14:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Das glaubt man eigentlich nicht, das kann es..., darf es nicht geben", schüttelt Helmut Tix (65) ungläubig den Kopf. Dabei können sich viele der Befragten kaum entscheiden, welcher Aspekt der Tragödie sie mehr bestürzte - das Schicksal der beiden Mädchen oder die verpassten Chancen, die beiden Kinder davor zu schützen.

"Erschreckend, nicht dass es in der Nachbarschaft passiert ist, sondern wie viele Hinweise es gegeben hat, die diesen Fall hätten verhindern können", versucht Lars Fischer (39), selber Vater eines kleinen Kindes, seinen Schock in Worte zu fassen.

Keine Lehren gezogen?

"Man hört eine Geschichte von verhungerten Kindern in der einen Stadt und denkt sich, jetzt wissen die Jugendämter ja, was zu tun ist. Man hört von einer Mutter in einer anderen Stadt, die ihre Kinder umgebracht hat, und denkt sich, jetzt sind die Jugendämter sensibilisiert. Und jetzt hat man so einen Fall in direkter Nachbarschaft", sagt Anna Keck (85) mit wachsender Empörung. "Da kann man doch nicht erkennen, dass irgendjemand seine Lehren aus den Fällen zieht."

Tanja Dietrich (35) hat schon in Gesprächen mit beteiligten Eltern von dem Fall gehört: "Man fühlt sich so hilflos, wenn man merkt, die Behörde bewegt sich nicht und es rollt unaufhaltsam auf die Katastrophe zu." Sabine Grzegorzewski (31) ist, so sagt sie, schon seit langem überzeugt, dass die Verwaltung von Mengede ein Problem mit Kindern hat. "Am Treckmannweg gibt's einen Kindergarten. Vor dem Kindergarten gibt's eine Wiese. Und was steht auf der Wiese? Ein Schild, auf dem steht 'Spielen verboten'. In diesem Bezirk stimmt doch was nicht."

Auch in der Politik gibt es erste Reaktion Auf Anfrage der Ruhr Nachrichten fordert Herbert Paschke, Sprecher der CDU-Bezirksfraktion: "Wir werden das Jugendamt auffordern, diesen Fall restlos aufzuklären. Dass die Situation in der Familie über so lange Zeit bekannt war, ist meiner Meinung nach sehr merkwürdig."