Menschen wie wir im Haifischbecken des Lebens

"Swimming-Pool" in Bochum

Die Mitarbeiterin einer Unternehmensberatung, ein Flugbegleiter und eine Nachrichtensprecherin: Voll aus dem Leben der bürgerlichen Mittelschicht gegriffen sind die Figuren von Laura Naumanns neuem Stück, das jetzt am Schauspielhaus Bochum Uraufführung feierte. Die Autorin lotet mit ihnen die dramatischen Tiefen der menschlichen Existenz aus.

von Max Florian Kühlem

, 14.03.2014, 18:27 Uhr / Lesedauer: 1 min
Menschen wie wir im Haifischbecken des Lebens

Hat´s nicht leicht: Matthias Eberle als Flugbegleiter.

Moana verbeißt sich so in ihrem Ehrgeiz, Karriere in der Unternehmensberatung zu machen, weil sie sonst keinen Halt findet. Sie ist der Justine aus Lars von Triers Film „Melancholia“ nicht unähnlich, wenn sie in einem brillanten Monolog ihre Todessehnsucht äußert, nachhaltiges Wirken und ökologisches Bewusstsein ad absurdum führt: Die Erde sei dem Menschen zum Verbrauch gegeben und danach könne sie eben weg. Moanas Mutter Christiane und ihrem Freund Boris geht es auch nicht viel besser: Christiane will die Welt verbessern und verliert im Nachrichtenstudio die Kontrolle, fordert zur Veränderung der Umstände auf. Boris ist als männlicher Flugbegleiter ständigen Demütigungen ausgesetzt. Die Sehnsucht der Drei nach einem besseren Leben ist so diffus, dass ihnen eine völlig unscharfe Figur, Nikita, von der niemand weiß, ob sie Mann oder Frau ist, zum Glücksversprechen wird.

Nicht alle Textpassagen in Naumanns Stück sind zwingend und klug, Malte C. Lachmanns Inszenierung ist manchmal zu sehr auf den billigen Gag aus, und nicht jedes Bild von Udo Herbsts Bühne aus verschiebbaren einzelnen Holzkästen leuchtet ein. Trotzdem ist die Uraufführung ein empfehlenswertes, von einem wunderbaren Ensemble getragenes Kleinod, das packend und aufwühlend das Drama der Existenz anhand ganz normaler Durchschnittsmenschen greifbar macht.  

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