Merz-Kandidatur: CDU will Leserbriefe in Lokalzeitung stoppen

Bundestagswahl

Die CDU im Kreis von Friedrich Merz sorgt für Verwirrungen: Ihr Chef versucht in die Berichterstattung der Lokalpresse einzugreifen. Grund dafür ist die Auswahl des Bundestagskandidaten.

Meschede/Düsseldorf

19.03.2021, 22:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der CDU-Chef im Hochsauerlandkreis hat die Lokalzeitungen aufgefordert, keine Leserbriefe im Zusammenhang mit der Kampfabstimmung zwischen Friedrich Merz und Patrick Sensburg abzudrucken.

Der CDU-Chef im Hochsauerlandkreis hat die Lokalzeitungen aufgefordert, keine Leserbriefe im Zusammenhang mit der Kampfabstimmung zwischen Friedrich Merz und Patrick Sensburg abzudrucken. © dpa

Die angestrebte Bundestagskandidatur von Friedrich Merz hat in seiner sauerländischen Heimat für einen ungewöhnlichen Vorgang gesorgt: Der örtliche CDU-Kreischef forderte die Lokalzeitung „Westfalenpost“ schriftlich dazu auf, keine Leserbriefe mehr zu der Kampfabstimmung zwischen Merz und dem amtierenden Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg zu veröffentlichen.

CDU-Chef verweist auf innerparteiliches Verfahren

Nach der Abstimmung am 17. April gebe es „ausreichend Gelegenheit für die Leserinnen und Leser sich zu äußern“. Wie die „Westfalenpost“ am Freitag selbst berichtete, erreichte der Brief des Chefs der CDU im Hochsauerlandkreis (HSK), Matthias Kerkhoff, mehrerere Lokalredaktionen der Zeitung.

In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es mit Blick auf die Abstimmung im April: „Es handelt sich um ein innerparteiliches Verfahren und mein Wunsch ist, dass die Mitglieder und Delegierten der CDU sich unvoreingenommen ein Bild von den Bewerbern machen können und anschließend entscheiden.“

"Westfalenpost" wird weiter Leserbriefe abdrucken

Weiter schreibt Kerkhoff: „In der jetzigen Phase bitte ich zu respektieren, dass es sich um eine innere Angelegenheit der CDU HSK handelt, die selbstverständlich redaktionell begleitet werden kann.“ Die Redaktion der „Westfalenpost“ betonte in ihrem Bericht am Freitag, dass man auch weiterhin Leserbriefe abdrucken werde, „nachdem diese der üblichen Prüfung unterzogen wurden.“

Ebenso wie die redaktionelle Berichterstattung seien Leserbriefe Teil der Meinungsbildung. „Dass im Vorfeld - auch von innerparteilichen - Kampfkandidaturen oder Kampfabstimmungen Medien Meinungsäußerungen zurückhalten, entspricht nicht unserem journalistischen Leitbild.

CDU-Kreischef entschuldigt sich

Nach Bekanntwerden seiner Forderungen hat sich der CDU-Kreisvorsitzende Matthias Kerkhoff entschuldigt. Kerkhoff sagte der dpa: „Für mich ist die Freiheit der Presse eines der höchsten Güter unserer freien Gesellschaft. Dass meine Äußerung anders verstanden werden konnte, bedauere ich und bitte um Entschuldigung.“

Über die Frage, wer die Region künftig im Bundestag vertreten solle, werde „aktuell bundesweit diskutiert und umfangreich redaktionell berichtet“, so Kerkhoff. „Genau dies ist Auftrag der Medien und der politischen Willensbildung. Ich habe als Kreisvorsitzender meine Sorge äußern wollen, dass eine parteiinterne Debatte durch den vermehrten Abdruck von Leserbriefen noch weiter befeuert werden könnte.“

Rund 480 CDU-Delegierte aus dem Hochsauerlandkreis sollen bei einer Versammlung in einem Sportstadion entscheiden, ob sie Merz oder Sensburg als Kandidat für die Bundestagswahl ins Rennen schicken. Verwaltungsexperte Sensburg, der 2009 die Nachfolge von Merz als Abgeordneter des Hochsauerlandkreises im Bundestag übernommen hatte, hatte seine Bewerbung bereits im Januar erklärt. Merz hatte Anfang März offiziell seinen Hut in den Ring geworfen.

dpa

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