Metal-Legende Sunn O))) spielten Ausnahme-Konzert

Ruhrtriennale

Die Entscheidung, ein Konzert der Drone-Metal-Band Sunn O))) zu besuchen ist eine Entscheidung gegen den eigenen Körper. Zumindest den Gehörsinn kann man damit nachhaltig schädigen. Doch die Fans zelebrieren die Band und ihren den verzerrten Gitarren-Sound.

BOCHUM

, 04.09.2016, 16:04 Uhr / Lesedauer: 1 min

 „Wie? Sie haben keine Ohrstöpsel dabei?“, fragt die Mitarbeiterin der Ruhrtriennale an der Bochumer Turbinenhalle besorgt - und händigt dem Konzertbesucher eine Packung aus.

Der Auftritt des amerikanischen Trios ist seit langem ausverkauft – und es sind nicht nur schwarz gekleidete Metalfans gekommen. Auch das typische Hochkultur-Publikum ist da, um ein Konzert zu erleben, das in fast allen Belangen eine Ausnahme darstellt.

Überall Nebel

Bevor die Musiker von Sunn O))) um 23.15 Uhr die Bühne betreten, arbeitet die Nebelmaschine. In ihrem Zwischen und Stöhnen sind irgendwann spitze Schreie zu vernehmen – man weiß nicht, ob von der Band oder den Fans.

Dann die tiefe Stimme von Attila Csihar. Ihr Timbre kitzelt im Bauch. Sie lässt Obertöne mitschwingen, dehnt Töne in die Ewigkeit. Dass der Sänger genau wie die Gitarristen Mönchskutten trägt, ist wegen des dichten Nebels nicht zu sehen. Nichts ist zu sehen, außer Zuschauer-Köpfen.

Eine elementare Erfahrung

Dieses Konzert ist ein Ritual, eine dunkle Messe. Die nach dem Verstärker-Hersteller Sunn benannte Band feiert das Rock-Instrumentarium, das sich in der Musikgeschichte zu immer mehr Lautstärke und Verzerrung, zu uneindeutigen Klängen entwickelt hat.

Zwei Stunden dröhnen die E-Gitarren in Verbindung mit Verstärkertürmen. Es fiept und rauscht. Rhythmen sind nur manchmal zu erahnen und werden bald aufgelöst. Die einzigen Tonfolgen, die man als Melodie bezeichnen könnte, steuert eine Posaune bei. Auch mit Ohrstöpseln dröhnt und zittert der Körper mit. Eine elementare Erfahrung. 

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