Michael Schulz zum 50. Geburtstag des Musiktheaters

Interview mit MiR-Intendant

GELSENKIRCHEN Das Musiktheater im Revier (MiR) wird am Dienstag 50 Jahre alt. Das feiert die Gelsenkirchener Bühne mit einer Gala im aufwändig sanierten großen Haus. Im Interview sprach Intendant Michael Schulz über die Zukunft des Musiktheaters.

von Von Bernd Aulich

, 14.12.2009, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
MiR-Intendant Michael Schulz: Musiktheater muss sich auch für die Migranten öffnen.

MiR-Intendant Michael Schulz: Musiktheater muss sich auch für die Migranten öffnen.

Dieses Haus hat eine große Opulenz. Hier habe ich das Gefühl, etwas Besonderes zu erleben. Seine Architektur lebt die Verbindung von Kunst und Gebäude. Dieser Geist strahlt auch auf die Theaterkunst aus. Mit seiner gläsernen Fassade weckt dieses Gebäude auch von außen Neugier.

Bei einer Probe für die "Zauberflöte" hatte ich das Gefühl, dass der Klang durchlässiger geworden ist und die Korrespondenz zwischen Graben und Bühne besser funktioniert. Die Möglichkeiten durch die neuen Akustik-Segel müssen sich noch einspielen.

Ich weiß selber nicht, ob ich nach den acht Stunden sage, das war doch anstrengend. Aber das darf es auch sein. Die Vielschichtigkeit unseres Vorhabens und die unterschiedlichen Stilepochen, die aufeinander prallen, führen dazu, dass man unglaublich viel neu hört. Die "Zauberflöte" kann auch musikalisch neue Aspekte haben, wenn ich sie nach Morton Feldman erlebe. Und ein bisschen was Circensisches hat es ja auch - ob ich nun acht Stunden Gladiatoren zuschaue oder acht Stunden Theater erlebe.

Darüber habe ich mit Frank Hoffmann noch nicht nachgedacht. Auch da spielen wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Eine GmbH kann es sich nicht mehr leisten, eine Produktion dieser Größenordnung nach Recklinghausen zu schicken. Interessant ist es, Ressourcen zusammenzuführen. Da sind wir mit Anselm Weber für Bochum im Gespräch. Wir denken über eine gemeinsame Uraufführung eines bekannten Autors nach.

Wir müssen uns auf neue Sehgewohnheiten einlassen. Unsere "Ariadne" überfordert mich, weil so vieles parallel läuft. Aber ich weiß, dass die Generation der Regisseurinnen schon mit ganz anderer Schnelligkeit vertraut ist als meine Generation. Auch ich war für Ältere, als ich als Regisseur angefangen habe, schon viel zu schnell. Das Theater sollte wieder Motor für eine eigene Ästhetik sein. Da ist der Tanz viel weiter. Das Musiktheater muss Geschichten erzählen. Und es muss sich für die Musiksprache anderer Kulturen öffnen.

Da muss ich klar sagen, Nein. Das ist eine Aufgabe der Zukunft. Leider ist unsere Absicht, im Kulturhauptstadt-Jahr hier "Dido und Aeneas" aus Istanbul in türkischer Sprache zu spielen, aus finanziellen Gründen gescheitert. Das hat nicht an uns gelegen.

  • Karten: Tel. (0209) 4097-200.
Lesen Sie jetzt