Mienenspiel und Urwaldmusik

ANNEN "Klassik im Autohaus kommt in Witten gut an", weiß Dr. Harald Werner, Konzertmeister des seit 45 Jahren bestehenden VHS-Orchesters. Bereits zum vierten Mal erlebten 470 Zuhörer ein Konzert des Ensembles mit dem VHS-Orchester bei Mercedes Lueg in Annen.

von Von Martin Schreckenschläger

, 13.11.2007 / Lesedauer: 2 min
Mienenspiel und Urwaldmusik

Unter der souveränen Leitung von Ralf Lottmann öffnete das Orchester mit den ersten Takten der Ruy Blas-Ouvertüre einen imaginären Vorhang.

Bürgermeisterin Leidemann gratulierte und warb angesichts des gewaltigen Steinway-Flügels erneut um Spenden für den neuen Konzertflügel im Haus Witten.

Unter der souveränen Leitung von Ralf Lottmann öffnete das Orchester mit den ersten Takten der Ruy Blas-Ouvertüre einen imaginären Vorhang. Die Musik hatte Mendelssohn-Bartholdy zu einem Stück von Victor Hugo geschrieben.

Mit großer Dramatik und pathetischen Bläsersätzen entwickelten die Musiker den majestätischen Charakter, gelangten zum triumphierenden Finale mit strahlendem Schlusston.

Flötenklänge

Mit dem gerade 20-jährigen Pianisten Clemens Berg hatte das Orchester einen hervorragenden Solisten gewonnen. Seine Interpretation von Rachmaninoffs zweiten Klavierkonzert riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Ins Massive steigerte sich sein Stakkato im Kopfsatz. Vielfältigen Melodievorlagen für seine pathetische Ausdeutung, dunkle Elegien des Orchesters, fegte Berg mit Urgewalt hinweg.

Mit intensivem Mienenspiel gab er sich, begleitet von hellen Flötenklängen, in die Musik des Adagio, leitete aus einem Gewitter der Anschläge unvermittelt zu gefühlsstarkem Ausdruck über. Mit drastischen Kontrasten legte er das Allegro scherzando an, schlug eben noch selbst ein romantisches Album auf, um im nächsten Moment die schwelgerischen Melodien des Orchesters mit schlagendem Stakkato zu zerhacken.

Feuriges Allegro

Wortgewandt kündigte der junge Musiker seine reichlichen Zugaben an, darunter eine "Urwaldmusik" des Argentiniers Alberto Ginastera, deren brutale Rhythmik vom Publikum humorvoll aufgenommen wurde. Mendelssohns Sinfonie Nr. 5 bot nach heraldischem Beginn, aufwühlend-feurigem Allegro einen ländlerhaften Satz der Holzbläser und tiefen Streicher.

Im Andante führte aus traurig-elegischer Stimmung die Flöte zum Choral "Ein feste Burg ist unser Gott", der sich vom vollchörigen Tutti bis zum festlichen Allegro maestoso in mannigfacher Prägung abzeichnete.

Brahms' Ungarischer Tanz Nr.1 als Zugabe zeigte dann doch ermattete Musiker, um Notenbruchteile verwischte Akzente.