Mieser Fantasy-Thriller „Horns“: Potter, Tod und Teufel

Neu im Kino

Manche Filme bringen einen aber auch auf Gedanken: Existiert ein Zirkel heimlicher Satiriker, die sich den Jux erlauben, einen vorsätzlich miesen Film zu machen? Um sich ins Fäustchen zu lachen, wenn Kritiker ihr Messer wetzen und Kinogänger den Scherz für bare Münze nehmen?

09.08.2015, 13:29 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mieser Fantasy-Thriller „Horns“: Potter, Tod und Teufel

Daniel Radcliffe in einer Szene des Kinofilms „Horns“

Blödsinn. Niemand im Kinogeschäft versenkt Geld für einen schlechten Witz. Die Wahrheit ist trauriger. "Horns", ein Fantasy-Thriller nach dem Buch von Joe Hill (Pseudonym des Sohns von Stephen King) ist zwar ein schlechter Witz, allerdings unfreiwillig.

Ein grotesker Hybrid aus Liebelei, Thriller, Esoterik, Horror, Fantasy und schwarzer Komödie. Zusammengerührt für Teenager, die an Daniel "Potter" Radcliffe einen Narren gefressen haben und ihn jetzt mit Bart und Brusthaar sehen wollen.

Hexenjagd

Ja, Radcliffe ist erwachsen geworden, das stellt der Film von Alejandre Aja groß heraus. Schwer verkatert wacht Radcliffes Ignatius, den alle Ig oder Iggy nennen, inmitten leerer Flaschen auf. Augenringe sprechen Bände: Der Mann hat Probleme.

Alle halten ihn für den Mörder seiner Freundin, die tot im Wald gefunden wurde. "Ich habe sie geliebt, ich war es nicht!", beteuert Ig. Noch ist er auf freiem Fuß, doch die Hexenjagd ist eröffnet. Reporter folgen ihm auf Schritt und Tritt. "Ist das der Teufel?", titelt die Zeitung zu Igs Konterfei. Ig hadert mit der Welt, er verflucht Gott, weil der die Geliebte hat sterben lassen.

Magische Gabe

Gottes Antwort lässt nicht auf sich warten. Aus Igs Schläfen wachsen Hörner! Nun ist er der Teufel, den alle in ihm sehen. In seiner Gegenwart plappern Leute ihre geheimen Fantasien aus, Hass, Gier, Gewalt. Bei der Mörderjagd wirkt Igs magische Gabe hilfreich.

Potter, Tod und Teufel - welch ein Humbug. Abrupt wechselt die Story die Tonart, reißt ordinäre Witze, fällt vom Brutalen ins Schmalzige, vergreift sich an religiöser Symbolik. Das ist so dämlich dreist, dass wir entgeistert im Sessel rotieren. Der lächerlichste Film der Saison.

 

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