Minkowski und Beethovens Neunte

Konzerthaus Dortmund

DORTMUND Der Jahreswechsel in Wien und Dortmund hatte eine Gemeinsamkeit: Beethovens neunte Sinfonie mit Marc Minkowski und seinen „Musiciens du Louvre“.

von Von Julia Gaß

, 02.01.2011, 16:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Minkowski dirigierte mit Leidenschaft.

Minkowski dirigierte mit Leidenschaft.

Der Beethoven des Händel- und Gluck-Spezialisten Minkowski klingt anders als seine Einspielungen Alter Musik und anders als man Beethovens europäisches Verbrüderungswerk bislang gehört hat. Aber so leidenschaftlich, voller Hingabe von einem ungewöhnlich gelösten und sehr dynamischen Minkowski dirigiert, dass es eine wahre Ode an die Freude war, zuzuhören. Im März 2012 wird der 48-jährige Franzose künstlerische Leitung der Salzburger Mozartwoche. Auch das scheint dem Dirigenten Flügel zu verleihen.

Vibrierend klang der erste, mit pulsierender Energie gefüllte erste Satz. Nur 46 Musiker, die auf den Nachbauten historischer Instrumente musizierten und im vierten Satz nur ebenso viele Sänger vom glänzenden Vokalensemble Kölner Dom mit jungen Stimmen brauchte Minkowski, um diesen Beethoven zum gewaltigen Ereignis zu machen.

Minkowski zaubert – diesmal mit einem neuen, kleineren Taktstock. Er seziert Beethoven ohne seine Seele anzukratzen, lässt Klänge aus dem Nichts entstehen, tastet vorsichtig ab, lichtet auf. Selten hört man die Neunte transparenter, aufregender, dynamisch changierender und differenzierter als an diesem Abend. Die fabelhaften „Musiciens“ waren dabei eine Kraftmaschine, die durch den zweiten Satz stob, den Herzschlagpuls rasen ließ und im dritten Satz im Silberton pastorale, romantische Stimmung ausbreitete.

Friedemann Röhlig war im Solistenquartett die dominante, kraftvolle Stimme, der Bariton, der aufruft, neue Töne anzustimmen. Neues ließ Minkowski in diesem Finale viel entdecken: Zum Beispiel den sphärenhaften Gesang des Chors „Überm Sternenzelt“. – Überirdisch schön. Ein Luftschlangenfeuerwerk erwartete die Besucher im Foyer; spannender kann ein Konzert-Jahr kaum beginnen.

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