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Mircos Eltern finden Kraft bei Gott

Martin-Luther-Kirche

Eine ungewöhnliche Veranstaltung mit ungewöhnlichen Einblicken: Sandra und Reinhard Schlitter berichteten vor rund 70 Zuhörern in der Martin-Luther-Kirche über das deutschlandweit bekannte Verbrechen an ihrem Sohn Mirco, über ihr Verarbeiten des Geschehens und über ihren unbändigen Glauben an Gott.

ANNEN

von Von Dietmar Bock

, 12.04.2013 / Lesedauer: 3 min
Mircos Eltern finden Kraft bei Gott

Sandra und Reinhard Schlitter berichteten über das Verbrechen an ihrem Sohn Mirco.

Anlass für den ungewöhnlich tiefen Blick in die Gefühls- und Gedankenwelt eines Ehepaares, das seinen zehnjährigen Sohn verloren hat, war die Präsentation des Buches „Mirco: Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen.“, zu der der SCM-Shop Bundes-Verlag aus Bommern eingeladen hatte. Doch statt obligatorischer Lesung gab’s eine völlig andere Veranstaltung. Nach einem kurzen Fernseh-Clip erzählte Sandra Schlitter äußerst gefasst, ja sachlich über das Geschehene wie auch über das Hier und Jetzt. Sehr lebendig zudem die Erinnerung an die gemeinsame Zeit mit ihrem Sohn. Sie ist dabei emotional, einfühlsam, kann trotz aller Nachdenklichkeit auch lachen. Die starke Mutter berichtet weniger über das Verbrechen an sich, vielmehr über das, was die schreckliche Tat, die am 3. September 2010 mit Mircos Verschwinden begann, bei ihr und ihrem Mann ausgelöst hat. Sie rührt manch eine Besucherin zu Tränen.

„Wir haben lange gehofft und gebangt“, sagt die Grefratherin über die 145 Tage lange Ungewissheit. „Als es dann endgültig war, sind wir zusammengebrochen.“ Doch vor und auch nach diesem Zeitpunkt gaben Mircos drei Geschwister sowie der Glaube an Gott den Eltern Kraft. Sandra und Reinhard Schlitter möchten Menschen in ähnlichen Situationen stärken. „Wir wollen andere ermutigen; sie mitnehmen, mit dem, was wir gefühlt haben“, so ihr Ziel – und das ihres Buches. Beide waren sich früh einig, dass sie sich gegenseitig nichts vorzuwerfen haben. Nur so standen sie alles gemeinsam durch. „Unser Glaube gab uns und den Kindern den nötigen Halt“, berichtet Sandra Schlitter. Doch: „Die Trauerarbeit dauert an“, betrachtet sie den Prozess als noch nicht abgeschlossen.

Da professionelle Hilfe versagt habe, blieb auch einzig der Glaube. „Gott ist größer als jede psychologische Hilfe“, begründen Sandra und Reinhard Schlitter ihre enorme Kraft, dem Täter zu verzeihen. „Wir leben das Vaterunser und haben ihm vergeben. Da ist kein Hass, keine Rache.“ Mircos Eltern meinen das sehr ernst. „Es hört sich leicht an, ist es aber nicht“, gesteht Reinhard Schlitter. Wer beiden aufmerksam zuhört, der spürt, dass die Mitglieder der Freien Christengemeinde ihren Glauben leben, ihn täglich praktizieren. Und dazu gehört auch, dass „Gott die Sonne über Gut und Böse scheinen lässt“, wie Mircos Vater die Frage aus dem Publikum nach dem Warum beantwortet. Für die beiden ungewöhnlich starken Mutmacher ist auch das Böse, das Unfassbare ein Bestandteil von Gottes Welt. Auch wenn dies für einen Menschen nur schwer zu verstehen sei.    

Sandra und Reinhard Schlitter: „Mirco: Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen.“, Adeo-Verlag, 17,99 Euro, ISBN: 978-3942208680.