„Missa Solemnis“ hatte politischen Symbolcharakter

Ruhr triennale

Es wäre nahe liegend gewesen, Johan Simons Intendanz der Ruhrtriennale mit Beethovens neunter Symphonie zu beschließen. Die Bochumer Symphoniker führten im Bochumer Musikforum jedoch ein anderes festliches Werk des Komponisten auf: Für die „Missa Solemnis“ ernteten sie großen Jubel.

BOCHUM

, 01.10.2017 / Lesedauer: 2 min
„Missa Solemnis“ hatte politischen Symbolcharakter

Steven Sloane beim letzten Konzert der Ruhrtriennale

Das Motto „Seid umschlungen“ und die Worte „Freude“, „Schöner“ und „Götterfunken“, mit denen Simons in seiner letzten Ruhrtriennale-Saison nach dem Zustand des Projekts Europa und seiner Werte gefragt hat, kommen im Finale von Beethovens neunter Symphonie vor.

Doch auch das Finale der „Missa Solemnis“ hat Symbolcharakter: Der Tschechische Philharmonische Chor, der unter der Leitung von Steven Sloane eine beeindruckende Leistung zeigte, flehte und schmetterte die Worte „dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden).

Friedens-Botschaft

Losgelöst vom Kontext der religiösen Messe und eingebettet in den des Kulturfestivals kann dies als Botschaft der Hoffnung gelten, dass Demokratie, Freiheit und Frieden in unserer Weltregion nicht durch die Angst vor dem Fremden und populistische Bewegungen untergraben werden.

Gleich in mehrfacher Hinsicht korrespondierte diese Beethoven-Aufführung mit dem Ruhrtriennale-Programm: Die Bochumer Symphoniker haben seit Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“ schon in vielen Produktionen mitgewirkt – zuletzt in der Oper „Peléas et Mélisande“. Dass das Festival in ihre neue Spielstätte einzog, ist auch ein Zeichen für seine Vernetzung mit den Kultur-Akteuren vor Ort.

Die „Missa Solemnis“ ist zudem eines der wenigen kirchenmusikalischen Werke Beethovens – und wie das Triennale-Projekt „Urban Prayers Ruhr“ kann es als kritische Überprüfung der Glaubens-Traditionen gelten.