Missbrauch: Hohe Haftstrafe für Ex-Mitarbeiter des Jugendamts

BOCHUM Urteil im Missbrauchs-Prozess gegen einen Ex-Mitarbeiter des Bochumer Jugendamts. Das Landgericht bestrafte den 56-Jährigen am Donnerstag mit sechs Jahren und sechs Monaten Haft.

von von Martin von Braunschweig

, 17.04.2008, 14:35 Uhr / Lesedauer: 1 min

Bis zum Schluss hatte der Mann gewartet, dann legte er doch noch ein Geständnis ab. Ja, es sei zu sexuellen Kontakten mit seinem früheren Pflegekind gekommen, hieß es am Donnerstag. Mit dünner Stimme sagte der 56-Jährige: „Ich bin schuld, ich allein und niemand anderes.“

Nicht nur in den Augen der Richter kam das Geständnis allerdings viel zu spät. Hätte der Angeklagte frühzeitig alles eingeräumt und dem Mädchen damit möglicherweise sogar die Zeugenaussage vor Gericht erspart, wäre die Strafe mit Sicherheit wesentlich milder ausgefallen. So aber konnte die Kammer nur feststellen: „Der Angeklagte hat gepokert.“ Dass er verloren hat, wurde nicht mehr explizit erwähnt.

1800 Übergriffe

Die heute 17-Jährige hatte die Zahl der Übergriffe durch ihren Pflegevater auf etwa 1800 geschätzt. Der 56-Jährige glaubt indes, dass es wesentlich weniger gewesen sind. Etwa 150 Vorfälle räumte er am Ende des Prozesses ein. Auf die Höhe der Strafe hatte diese Reduzierung allerdings keinen Einfluss mehr.

Als der sexuelle Missbrauch im Jahr 1999 begann, war der Angeklagte bereits nicht mehr beim Bochumer Jugendamt beschäftigt. Wegen Depressionen war er schon vorher frühpensioniert worden.