Misshandelte Frau im Kofferraum – Polizei fasst gewalttätigen Familienvater

Polizeieinsatz

Schwer verletzt liegt eine Frau im Kofferraum. Die Befragung ergibt einen schlimmen Verdacht: Ihr Mann könnte die vier Kinder in seiner Gewalt haben. Es dauert Stunden, bis Klarheit herrscht.

Krefeld

20.09.2020, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Von dem Tatverdächtigen, der seine Frau misshandelt und in einen Kofferraum gesperrt haben soll, fehlt jede Spur.

Von dem Tatverdächtigen, der seine Frau misshandelt und in einen Kofferraum gesperrt haben soll, fehlt jede Spur. © picture alliance/dpa

Nach der brutalen Misshandlung einer Mutter von vier Kindern in Krefeld ist gegen ihren Ehemann Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen worden. Ein Richter habe den 53 Jahre alten Verdächtigen am Montag in Untersuchungshaft geschickt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Ein Spezialeinsatzkommando hatte die vier Kinder am Samstag nach mehreren Stunden aus der Wohnung des Paares befreit. Weil die Polizei nicht ausschließen konnte, dass sich ihr Vater in der Wohnung aufhielt, hatte eine Spezialeinheit der Polizei diese stundenlang umstellt.

Mann am Sonntag festgenommen

Erst nach etwa fünf Stunden kam dann die Entwarnung: Die drei bis neun Jahre alten Kinder waren allein in der Wohnung. Sie kamen in die Obhut des Jugendamtes. Wie die Polizei am Montag weiter berichtete, hatte die Ehefrau in einer Sackgasse in Krefeld gefesselt im Kofferraum eines Autos gelegen. Sie habe sich durch Klopfgeräusche bei einer 70-jährigen Anwohnerin bemerkbar machen können. Diese alarmierte die Polizei, die die 32-jährige Frau dann befreite.

Sie werde weiterhin im Krankenhaus behandelt. Ihre Verletzungen seien schwer, aber nicht lebensgefährlich gewesen. Der 53-Jährige war am Sonntag ohne Widerstand festgenommen worden, als ihn die Polizei am Stadtrand von Krefeld gesichtet hatte, wo er zu Fuß unterwegs war.

Was war passiert: In einer kleinen Sackgasse nicht weit von der Krefelder Innenstadt, in der wurde die 32-Jährige am Samstag gegen 15 Uhr gefunden. Schwer verletzt liegt sie im Kofferraum eines Autos. Eine Zeugin entdeckt sie dort nur durch Zufall. Der Wagen ist verschlossen - die Helfer kommen zunächst nicht an die Frau heran. Erst nachdem die Polizei das Auto aufbrechen konnte, bringen die Einsatzkräfte sie in eine Klinik.

Mann hat Ehefrau stundenlang misshandelt

Dort können die Polizisten die Frau relativ schnell vernehmen. Sie erzählt den Beamten, dass ihr Ehemann sie seit dem Vortag stundenlang misshandelt habe. Schließlich habe er sie in das Auto gesetzt und zu der Stelle gefahren, wo sie gefunden wurde. Vor allem aber erfahren die Polizisten von den vier gemeinsamen Kindern des Paares - sie sind drei bis neun Jahre alt. Einsatzkräfte fahren sofort zur Wohnung der Familie.

„Die Beamten konnten durch die geschlossene Haustür flüchtig mit ihnen kommunizieren, die Tür haben die Kinder jedoch nicht öffnen können“, sagt ein Polizeisprecher. „Damit war zunächst unklar, ob auch der Vater zu Hause war.“ Die Befürchtung: Der mutmaßlich gewalttätige Vater könnte die vier Kinder in seiner Gewalt haben. „Die Polizei hat daraufhin vorsorglich ein Spezialeinsatzkommando angefordert“, heißt es im Bericht der Behörden.

SEK-Kräfte fuhren zu der Adresse, postierten sich rund um das Haus. „Gegen 20 Uhr konnte die Polizei durch ein Fenster mit den Kindern sprechen. Als sie mitteilten, dass der Vater nicht zu Hause sei, haben Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei die Kinder aus der Wohnung geholt“, schreibt die Polizei in ihrem Bericht.

Kinder zunächst in der Obhut des Jugendamtes

Rund fünf Stunden nach dem Fund der schwer verletzten Mutter war den Einsatzkräften die Erleichterung anzumerken. „Die Kinder sind den Umständen entsprechend wohlauf“, sagte ein Polizeisprecher. Alle vier kamen zunächst in Obhut des Jugendamts. Ob sie miterlebt haben, wie ihr Vater ihre Mutter mutmaßlich stundenlang misshandelte, blieb zunächst unklar.

dpa

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