Mit "Catching Fire" gehen "Die Tribute von Panem" in die zweite Runde

Im Kino

Gladiatoren kämpfen auf Leben und Tod. Ihre Freiluft-Duelle werden landesweit übertragen: Fernsehen als Opium fürs Volk, mit dem ein Terrorregime die unterdrückten Massen bei Laune hält. Alles wie gehabt im zweiten Film nach Suzanne Collins' Bestsellern "Die Tribute von Panem".

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 18.11.2013, 19:20 Uhr / Lesedauer: 1 min

Nun gut, fast alles. "Catching Fire" (Regie: Francis Lawrence) behält zwar das Herzstück des Vorgängers, die Spiele, allerdings mit Variationen, die den Boden für die Revolution bereiten, die im dritten Teil zu erwarten ist. So kreuzen dieses Mal die Besten der Besten die Klingen, Sieger früherer Schaukämpfe. Ein perfider Trick, mit dem der Präsident (Donald Sutherland) die widerborstige Katniss (Jennifer Lawrence) ans Messer liefern will. Sie hat die Spiele gewonnen, einen Freund (Josh Hutcherson) gerettet und ist darüber zur Volksheldin geworden. Diese Jeanne D'Arc muss weg, bevor sie eine Rebellion anzetteln kann.

Die Spiele als Hochglanz-Event

Vorgeschaltet ist eine lange Exposition, die die Fronten verdeutlichen soll. Wir sind in einem Willkürstaat. Hungernde Provinzen mästen eine Hauptstadt, wo die Elite in Saus und Braus lebt. Wer aufmuckt, wird ermordet. Geradezu mittelalterliche Zustände, die im Kontrast zur technologisch fortgeschrittenen Unterhaltungsindustrie stehen. TV total im Staatskanal. Die Spiele als Hochglanz-Event, mit Kostümflitter, Blue Screen, einem öligen Moderator (Stanley Tucci), der die Todeskandidaten vor Publikum interviewt. Telegen, der Einlauf der Kämpfer: Als fahre Ben Hur in Metropolis ein.

Dschungelprüfung

In der Dschungelprüfung für Gladiatoren erreicht der Film den größten Ausschlag in der Spannungskurve. Katniss kämpft gegen wilde Affen und Teufeleien der Regie, die das Spektakel als blutige Reality-Show ausstrahlt. Als Studie eines Systems und als Politparabel arbeitet der Film grell wie ein Scherenschnitt, auch in seiner Warnung vor dem Zynismus der Medien geht er überdeutlich ans Werk. Das ist einer Zielgruppe geschuldet, die mehr am Flirtfaktor interessiert ist als an Faschismus-Analyse.

Fantasy-Abenteuer

Man kann den Film auch als Lovestory im Gewand eines halbwegs prickelnden Fantasy-Abenteuers sehen. Das wäre die banale Lesart. Ob doch mehr als eine Teen-Romanze mit viel Brimborium drinsteckt, entscheidet sich im dritten Teil.

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