Mit der freien Liebe klappt´s leider nicht

66. Berlinale

Kommunenleben, Liebesstreik und Privatkrieg: Die Berlinale geht mit neuen Filmen von Thomas Vinterberg, Spike Lee und Michael Moore in den Endspurt.

BERLIN

von Patrick Wildermann

, 17.02.2016, 16:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mit der freien Liebe klappt´s leider nicht

Spike Lee in Berlin

Die Sache mit der Bierliste lässt sich noch basisdemokratisch lösen. In der Kommune wurde mehr konsumiert, als aufgeschrieben. Also beschließen die Bewohner kurzerhand eine Alkohol-Amnestie. Komplizierter wird’s, wenn es um Liebe geht. Der Architektur-Dozent Erik (Ulrich Thomsen), der in den 70ern ein Haus erbt und auf Drängen seiner Frau Anna (Trine Dyrholm) eine WG daraus macht, verknallt sich in eine Studentin.

Kindheitserlebnisse verarbeitet

Was tun? Die "Alle unter einem Dach"-Lösung ist zeitgemäß. Klappt aber ungefähr so gut wie der Kommunismus. "Kollektivet - Die Kommune" heißt der neue Film des Dänen Thomas Vinterberg im Berlinale-Wettbewerb. Der berühmte Regisseur ("Das Fest") verarbeitet darin eigene Kindheitserlebnisse. Nicht auf unsympathische Weise. Aber auf vorhersehbare. Irgendwie symptomatisch für den diesjährigen Wettbewerb. Auf die großen Überraschungen und Experimente wartet man bislang vergebens. Stattdessen läuft solides Arthouse-Kino wie "Soy Nero" von Rafi Pitts, der die Nöte mexikanischer Migranten in den USA schildert.

Wilder geht’s bei Spike Lee zu. Der Aktivist nimmt sich in "Chi-Raq" die Zustände in Chicago vor, wo zwischen 2001 und 2015 mehr junge Schwarze durch Waffengewalt umkamen, als amerikanische Soldaten im Irak oder in Afghanistan. Um das anzuprangern, verlegt Lee kurzerhand die "Lysistrata"-Geschichte in die schwarzen Vororte. Seine Heldin ruft zum Sex-Streik auf, bis endlich Frieden herrscht ("No Peace, no Pussy"). Sehr lustig. Allerdings außer Konkurrenz gezeigt.

Inspiration bei Kneipp-Kuren

Der neue Film von Michael Moore hat es dagegen erst gar nicht in den Wettbewerb geschafft. Dabei ist "Where do invade next?", in der Sonderreihe "Berlinale Special" platziert, hoch unterhaltsames Agitprop-Kino. Moore, wegen einer Lungenentzündung nicht in Berlin, reist darin als "Ein-Mann-Armee" quer durch Europa - um vorbildliche Ideen für sein marodes Heimatland zu annektieren. Auch Deutschland liegt auf seiner Route. Inspiration findet Moore, sieh an, bei Kneipp-Kuren und in einer Bleistift-Fabrik!

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