Mit "Im Dickicht der Städte" gescheitert

Schauspielhaus Bochum

Bertolt Brechts „Im Dickicht der Städte“ ist ein schwieriges Stück. Es ist eine Versuchsanordnung, deren Voraussetzungen und Erkenntnisinteresse völlig unklar bleiben. Hausregisseur Roger Vontobel, der am Schauspielhaus Bochum bisher nur Erfolge erzielen konnte, scheitert am Versuch, den Stoff mit modernen Mitteln in der Ruhrgebietsrealität zu erden.

BOCHUM

von Von Max Florian Kühlem

, 03.02.2013, 14:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mit "Im Dickicht der Städte" gescheitert

Berthold Brechts "Im Dickicht der Städte" hat das Publikum im Schauspielhaus Bochum nur verhalten begeistert.

Termine: 6., 15. und 28. Februar, 10., 16. und 29. März. Karten-Tel.: (0234) 33 33 55 55.

Was in diesem frühen Brecht-Drama folgt, ist jedoch kein typisches Lehrstück über die Widersprüche des Lebens im Kapitalismus. Es ist die krude, rätselhafte, wendungsreiche Geschichte eines Kampfes, in dem Shlink nicht in erster Linie Garbas Existenz, sondern lustvoll die eigene aufs Spiel setzt. Roger Vontobel hat das Stück erst 2011 in Paris inszeniert und jetzt als Ersatz für die wegen Verletzung der Hauptdarstellerin Jana Schulz ausgefallene „Hedda Gabler“ neu bearbeitet.

„Ich werde das Stück auch jetzt nicht verstehen“, bekannte er im Vorfeld. Leider gelingt ihm in Bochum auch keine kluge Befragung durch einen überzeugenden Zugriff. Gelungene Einzelteile wie die beeindruckenden Videos oder die Darstellung der Familie Garga als White Trash, also Mitglieder der amerikanischen Unterschicht, und kalkulierte Provokationen wie Nacktszenen und vulgäre, rassistische HipHop-Einlagen runden sich nicht zu einem stimmigen Ganzen.

Die Schlussszene, in der Shlink im Affenkostüm seinen Schlüsselsatz von der Vereinsamung in der Großstadt und der Sehnsucht nach der ursprünglichen, triebhaften Gesellschaft sagt, wirkt zu naheliegend. Trotz herausragender Leistungen der Hauptdarsteller Florian Lange (Garga) und Matthias Redlhammer (Shlink) reicht es am Ende des zweistündigen Abends nur zu verhaltenem Applaus mit einzelnen Buh-Rufen.

Termine: 6., 15. und 28. Februar, 10., 16. und 29. März. Karten-Tel.: (0234) 33 33 55 55.