Mit kühler Blonder im Taxi durch Hamburgs Nacht

Neu im Kino

Nachtschicht in Hamburg. Die kühle Blonde fährt Taxi, chauffiert Luden, Huren, Schluckspechte und arme Teufel. Alex ist eine robuste Natur, tough genug für die Straße, befreit der Job sie doch aus der Umarmung von Mama und Papa, die sie bei einer Versicherung unterbringen wollten."Taxi" heißt der Roman von Karen Duve, in dem sie von ihren Jahren als Droschken-Kutscherin erzählt.

21.08.2015, 14:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mit kühler Blonder im Taxi durch Hamburgs Nacht

Armin Rohde sternhagelvoll als Fahrgast und Rosalie Thomass als seine Chauffeurin

Kerstin Ahlrichs hat das Buch verfilmt, Duve schrieb das Drehbuch. Der Verleih vermarktet den Film als Liebelei zwischen Alex (gut: Rosalie Thomass) und dem kleinwüchsigen Marc (Peter Dinklage aus "Game Of Thrones"). Mehr als das ist "Taxi" aber ein Film über das abgerockt schäbige Hamburg und seine Nachteulen, über "the city’s ripped backside" wie es in Iggy Pops "The Passenger" heißt.

Mit wenig Aufwand rekonstruiert der Film die 80er-Jahre, besser, die gefühlten 80er. Ein Hauch von "No Future" und "Verschwende deine Jugend" liegt in der Luft - auch Alex lebt für den Moment. Irgendwie ist sie mit ihrem Fahrerkollegen Dieter (Stipe Erceg) liiert, doch sie schläft auch mit Marc, weil er souverän und klug ist.

Rekonstruktion eines Lebensgefühls

Der Film changiert zwischen amour fou, lakonischer Komödie und satirischer Zeitgeist-Revue. Inmitten der Nachwehen des Punks trifft Alex kleine Yuppie-Schnösel und frühe Computerfreaks, die den Commodore 64 preisen.

Eine kleine, schlanke Produktion, deren Stärke in der Rekonstruktion eines Lebensgefühls liegt. Sympathisch gespielt, mit schnippischem Witz und Anflügen von Typenkomik. Schade nur, dass das Budget nicht zum Ankauf von Originalmusik gereicht hat.