Mit Trotz und Witz geht Lola Blau durch schwere Zeiten

Westfälisches Landestheater

Tankred Schleinschock am Piano, Samira Hempel singt und spielt. Paravent, Stuhl, Spiegel, kleines Podest. Mehr braucht es nicht für einen großen Abend, weil Stück und Lieder den Mutterwitz von Georg Kreisler haben, den Samira Hempel wunderbar auskostet.

CASTROP-RAUXEL

, 19.03.2017 / Lesedauer: 2 min
Mit Trotz und Witz geht Lola Blau durch schwere Zeiten

Kritischer Blick in den Spiegel: Samira Hempel bezaubert als fesche, tapfere Lola.Beushausen

"Heute Abend: Lola Blau" feierte am Freitag Premiere am Westfälischen Landestheater in Castrop-Rauxel, der Applaus war verdient. Man kennt Samira Hempel als Schauspielerin, in der "Buddy Holly Story" hat sie auch gesungen, hier darf sie sich richtig entfalten. Bei ihr hören wir Kreislers feine Ironie, sie zeigt Trübsal, Jauchzen und den Trotz, sich nicht unterkriegen zu lassen, komme da, was wolle.

Flucht nach Amerika

Es kommt knüppeldick für Lola Blau, Schauspielerin im Österreich von 1938. Hitler hat Tschechien besetzt und wird Österreich einkassieren. Lolas Engagement in Linz ist abgesagt, weil sie Jüdin ist. Freunde sind auf der Flucht.

Lolas Hauswirt (Mike Kühne) hängt ein Führerbild auf und wirft sie aus der Wohnung. Was tun, wenn die Welt aus den Fugen ist und die Menschenfeinde Oberwasser haben? Leben, singen, kämpfen, trotz alledem!

Kreisler hat "Lola Blau" für seine Frau geschrieben, eingeflossen ist  seine Erfahrung mit der Künstlerexistenz im US-Exil. Lola besteigt den Dampfer nach Amerika. Dort singt sie für feine Pinkel und  Passagiere der Holzklasse, in New York tritt sie auf im Varieté.

Vamp mit Federboa

Samira Hempel bezaubert als Vamp mit Federboa, zurück in Wien bezirzt sie den Theaterdirektor als singende Pariserin, Wiener Wäscheweib, Berliner Göre, rustikale Ungarin. Hempel karikiert, persifliert, trällert, tremoliert, dass es eine Freude ist.

Schleinschock (auch Regie) haut mal schmissig, mal verhalten in die Tasten - in den Liedern liegt Melancholie, nie aber Selbstmitleid. Ein Singspiel mit Schalk, Tiefgang und Niveau.

Termine: 21./22./23./ 24./25.3.; Karten: Tel. (02305) 978020.