Mittagsmörder kommt nach 50 Jahren Gefängnis frei

Fünf Menschen getötet

Nach fast einem halben Jahrhundert im Gefängnis kommt in Franken der sogenannte Mittagsmörder auf Bewährung frei. Der heute 74-Jährige hatte in den 60er Jahren fünf Menschen im Großraum Nürnberg umgebracht - und zwar stets um die Mittagszeit.

Nürnberg

17.02.2015, 12:19 Uhr / Lesedauer: 1 min
Fast 50 Jahre verbrachte der Mittagsmörder hinter Gittern.

Fast 50 Jahre verbrachte der Mittagsmörder hinter Gittern.

1967 sprach das Landgericht Nürnberg-Fürth den damals 26 Jahre alten Mann wegen fünffachen Mordes und besonders schweren Raubes schuldig. Bislang waren seine Versuche, entlassen zu werden, stets gescheitert. Das Risiko, dass der Mann erneut ein Verbrechen begehen könnte, wurde als zu hoch eingeschätzt.

Bewährung ab dem 1. März

2012 entschied das Nürnberger Oberlandesgericht (OLG) dann, dass der Rest seiner lebenslangen Haft zum 1. März 2015 zur Bewährung ausgesetzt wird. An dieser Entscheidung habe sich nichts geändert, sagte der Sprecher des OLG Michael Hammer am Dienstag - daher komme der Mann nun frei.

Reue in Leserbrief

Der verurteilte Mann hatte 2012 in einem Leserbrief an die „Hersbrucker Zeitung“ beteuert, er habe sich seit den Taten „vollkommen geändert“. Er bereue sie zutiefst. Die Opfer und ihre Angehörigen täten ihm leid.

Kaum ein anderer Häftling hat bisher so lange wie der "Mittagsmörder" im Gefängnis gesessen. OLG-Sprecher Michael Hammer nannte den Fall "relativ einmalig". 

Unterbringung in Männerheim

Da der 74-Jährige keine Verwandten hat, bei denen er unterkommen kann, soll er nach seiner Entlassung in einem Männerheim untergebracht werden, in dem er von Sozialarbeitern betreut wird.

"Zwei Einrichtungen in Bayern sind bereit, ihn aufzunehmen", sagte Hammer. Wo diese sind, will die Justiz nicht sagen, um dem Mann eine Chance auf Resozialisierung zu geben.

Lernen, wie man im Discounter einkauft

In den vergangenen Jahren wurde der 74-Jährige auf sein Leben in Freiheit vorbereitet. Im Gefängnis bekam er von zahlreichen Neuerungen nur wenig mit. Wie mehrere Medien berichtet hatten, unternahm der Mann aus der Justizvollzugsanstalt in Straubing heraus unter Aufsicht Ausflüge mit anderen Häftlingen.

Außerdem habe man ihm gezeigt, wie man Geld an einem Bankautomaten abhebt, was ein Smartphone ist und wie man in einem Discounter einkauft.