Modellprojekt gegen Energiearmut gestartet

Gemeinsam vorbeugen

1870 – das ist die Anzahl der Haushalte, denen die Stadtwerke Bochum im Jahresdurchschnitt der vergangenen sechs Jahre den Strom abdrehen mussten. Um zu verhindern, dass es so weit kommt, kämpfen die Verbraucherzentrale NRW, die Stadtwerke Bochum und die örtliche Caritas jetzt gemeinsam gegen Energiearmut.

BOCHUM

von Von Miriam Instenberg

, 09.01.2013 / Lesedauer: 3 min
Modellprojekt gegen Energiearmut gestartet

Kämpfen gemeinsam gegen Energiearmut: Natascha Korte-Raberg, Klaus Müller, Bernd Wilmert, Andrea Thume, Ulrich Kemner, Peter Knitsch (v.l.)

Natascha Korte-Raberg ist bei der Verbraucherzentrale in Bochum die neue Fachberaterin bei Energiearmut. Sie berät in einer offenen Sprechstunde persönlich donnerstags, 9.30-11.30 Uhr, in der Großen Beckstraße 15, und telefonisch dienstags von 14.30 bis 16.30 Uhr unter Tel. (0234) 91 38 63 33. Mails an: . Termine und Infos zum Stromspar-Check der Caritas gibt es montags bis freitags, 8-14 Uhr, unter Tel. (0234) 30 705 71 oder per Mail an . Eine Testphase hat das Modellprojekt 2010 in Wuppertal durchlaufen. 70 Prozent der Betroffenen konnte dort geholfen werden.

Wichtigster Baustein des Modellprojekts ist die Beratung: Betroffene wenden sich an die Verbraucherzentrale, die nicht nur eine Energie- und Rechtsberatung durchführt, sondern auch beim generellen Umgang mit dem eigenen Budget hilft. „Unsere Berater prüfen, ob beim Haushalten vielleicht falsche Prioritäten gesetzt werden und wo Einsparpotenziale bestehen“, so Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Anschließend erfolgt der Brückenschlag zum Energieversorger: Um Stromsperren zu vermeiden, wird mit den Stadtwerken über Ratenzahlungen und Angleichungen der Abschläge verhandelt. „Das größte Problem ist, dass viele Kunden erst zu uns kommen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Wilmert.

Für ihn stellt die Kooperation mit Stadtwerken und Caritas eine Win-Win-Situation dar: „Durch Stromsperren verlieren wir in Bochum 0,35 Prozent unseres Umsatzes. Es ist also auch in unserem Interesse, die Situation abzuwenden. Und die höhere Kundenzufriedenheit sorgt hoffentlich auch für ein entspannteres Verhältnis.“ Wie in Aachen, Dortmund, Köln und Krefeld ist auch in Bochum die Caritas mit ihrer „Aufsuchenden Energiesparberatung“ als dritter Partner mit im Boot. Langzeitarbeitslose, die zu Stromsparhelfern geschult wurden, führen in betroffenen Haushalten einen Stromsparcheck durch. „Oft reicht es schon, die eine stromfressende Halogenlampe auszutauschen“, erklärt Ulrich Kemner, Geschäftsführer des örtlichen Caritasverbandes.

1200 Personen möchte die Bochumer Caritas im Projektzeitraum beraten, das Angebot stoße bereits jetzt auf großes Interesse. Dass das Problem Energiearmut durch diesen Schulterschluss allein nicht zu lösen ist, wissen alle Kooperationspartner. „Was wir wirklich brauchen, ist eine gesetzliche Anpassung der Transferleistungen für Arbeitslose und Geringverdiener. Von 382 Euro im Monat bleiben Hartz IV-Empfängern 30 Euro für Strom. Das ist unrealistisch“, sagt Ulrich Kemner. 

Natascha Korte-Raberg ist bei der Verbraucherzentrale in Bochum die neue Fachberaterin bei Energiearmut. Sie berät in einer offenen Sprechstunde persönlich donnerstags, 9.30-11.30 Uhr, in der Großen Beckstraße 15, und telefonisch dienstags von 14.30 bis 16.30 Uhr unter Tel. (0234) 91 38 63 33. Mails an: . Termine und Infos zum Stromspar-Check der Caritas gibt es montags bis freitags, 8-14 Uhr, unter Tel. (0234) 30 705 71 oder per Mail an . Eine Testphase hat das Modellprojekt 2010 in Wuppertal durchlaufen. 70 Prozent der Betroffenen konnte dort geholfen werden.