Mörder ahoi auf dem Kreuzfahrtdampfer

Fitzek im WLT

Von wegen Traumschiff. Im Krimiroman "Passagier 23" entwirft Sebastian Fitzek das Szenario eines Kreuzfahrtdampfers, wo Leute in geheimen Kammern schmachten. Da ist einer an Bord, der über Leichen geht. "Mörder ahoi" am Westfälischen Landestheater

CASTROP-RAUXEL

, 10.10.2016 / Lesedauer: 2 min
Mörder ahoi auf dem Kreuzfahrtdampfer

Martin (Guido Thurk) befragt Anouk (Mayke Dähn), die verschwunden war.

Dramaturg Christian Scholze hat den 400 Seiten-Thriller für die Bühne bearbeitet, Lothar Maninger führte Regie. Generaltugend des Reisetheaters WLT ist die kluge Reduktion von Kulisse und Bühnenbild, das war auch bei der Uraufführung am Sonntag zu besichtigen.

Die Einheitsbühne von Anna Kirschstein zeigt ein schiefes Podest umrahmt von Wänden, wo Ankerkette, Reling und Meer aufprojiziert werden. Wichtig für die Atmosphäre sind auch die Toneinspieler, die uns Möwen, Wogen, Dieselmotoren hören lassen. Gedämpfter Death Metal stimmt auf Ungutes ein.

Gequält vom Kerkermeister

Ein Mädchen im weißen Kleid geistert durch das Schiff. Beklemmung kommt auf, als eine Frau (Pia Seiferth) im Verlies von ihrem Kerkermeister (Maximilian von Ulardt) gequält wird. Was hat sie verbrochen?

Zentralfigur ist der Kriminalpsychologe Martin (Guido Thurk), den der Anruf einer Frau (Vesna Buljevic) aufs Schiff lockte. Seine Frau und sein Sohn starben auf dem Dampfer, die Anruferin verspricht Hinweise. Vor Monaten verschwand eine Mutter samt Kind auf dem Schiff, nun ist die Tochter (Mayke Dähn) wieder da.

Horror liegt in der Luft

Mit einer Ärztin (Samira Hempel) befragt Martin das Mädchen. Es schweigt. Reeder (Mike Kühn) und Kapitän (Bülent Özdil) setzen Martin unter Druck. Ein Kapuzenmann greift ihn an, ein weiteres Mädchen verschwindet.

Das Stück kreiert eine prickelnde Aura der Bedrohung, Horror liegt in der Luft. Gut, man rotiert nicht im Sessel, doch spannend ist es, wie Martin zum Ankerraum hetzt, um eine Gefangene zu retten. Dass Fitzeks Plot im Nachhinein sehr abenteuerlich wirkt, schmälert nicht die suggestive Kraft der Inszenierung. Viel Beifall.

4.11. Witten, 12.11. Hamm, 24.11. Lünen, 20.12. Castrop-Rauxel. Karten: Tel. (02305) 978020.