Mordopfer nach fast 24 Jahren nach Tipp aus dem Fernsehen identifiziert

Kriminalität

Der 43-Jährige war 1996 auf einmal verschwunden, samt Hund und Auto. Die Familie vermutete, der Verschwundene sei ins Ausland gegangen. Nun steht fest, was mit dem Mann geschah.

Aachen

02.09.2020, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gerhard Hoppmann, Kriminalhauptkommissar von der Kripo Krefeld,  hat mit seinen Kollegen mit Hilfe eines neuen Phantombildes die Identität eines vor über 23 Jahren am Niederrhein gefundenen Mordopfers geklärt.

Gerhard Hoppmann, Kriminalhauptkommissar von der Kripo Krefeld, hat mit seinen Kollegen mit Hilfe eines neuen Phantombildes die Identität eines vor über 23 Jahren am Niederrhein gefundenen Mordopfers geklärt. © picture alliance/dpa

Der entscheidende Tipp kam vor einem Jahr von einem Fernsehzuschauer, der beim Zappen das Phantombild eines unbekannten Mordopfers sah. „Ich kenne diesen Toten, ich weiß wer das ist“, zitierte am Mittwoch der Leiter der Mordkommission der Krefelder Polizei, Gerhard Hoppmann, den „Aktenzeichen XY... ungelöst“-Zuschauer. Der eine Hinweis unter 50 anderen der ZDF-Sendung erweist sich als goldrichtig:

Die Polizei kann jetzt, nach fast 24 Jahren, den Ende 1996 ermordeten Mann identifizieren. Es ist ein Mann aus Würselen bei Aachen, ein geschiedener Vater, der mit 43 Jahren verschwand, aber nie als vermisst gemeldet wurde. Mit Hilfe einer DNA-Analyse ist geklärt, dass der Tote dieser Mann ist.

Ermittler Hoppmann war seinerzeit am 8. Dezember 1996 selbst am Fundort der Leiche. Es war der Abhang einer entlegenen Kiesgrube bei Rheurdt-Schaephuysen im Kreis Kleve am Niederrhein. Damals hatte ein Jäger, der mit seinem Hund unterwegs war, die von vielen Schlägen entstellte, nackte Leiche entdeckt. Dass der Fundort nicht der Tatort sein konnte, schlossen die Ermittler anhand der Umstände. Die Polizei ist sicher, dass der zwischendurch als „Cold Case“ eingestufte Fall gelöst werden kann. „Nachdem wir wissen, wer es ist, werden wir den Fall aufklären“, meint Ermittler Hoppmann.

Als Busfahrer gearbeitet

Genau lässt sich die Polizei nicht in die Karten gucken: Es gebe gewisse Ansätze. Sie vermuten auch, dass es Mitwisser gibt. Mord verjährt nicht. „Wir haben eine sehr gewaltsame Tötung“, wertet Boris Petersdorf, der ermittelnde Staatsanwalt in Aachen. Da der 43 Jahre alte Vater vermutlich in seinem Haus in Würselen umgebracht wurde, ist die Staatsanwaltschaft Aachen zuständig.

Die Ermittlungen ergaben, dass der Mann viele Jahre in Aachen als Busfahrer arbeitete, dann machte er einen Handel mit Wohnmobilen auf, die er an- und verkaufte und reparierte. Kurz vor seinem Tod soll er geplant haben, im nahen beschaulichen Touristenort Monschau einen Grill-Imbiss aufzumachen. Doch der brannte wohl ab, ehe er ihn übernehmen konnte. Viel ist darüber nicht bekannt. Der 43-Jährige verschwand wohl von einem Tag auf den anderen. Auch sein VW-Bus und Schäferhund „Rex“ waren auf einmal weg. „Die Angehörigen hatten geglaubt, er habe sich wegen seiner Schulden ins Ausland abgesetzt“, erklärt die Polizei.

Polizei hatte lange Zeit andere Vermutungen

Erst jetzt erfuhren die Kinder, die sieben und 14 Jahre alt waren, als der Vater verschwand, warum er sich nie mehr gemeldet hat. Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die das spätere Mordopfer kannten und etwas über die beruflichen und privaten Kontakte im Herbst 1996 wissen. Ein „Emil“ genannter Rumäne soll damals regelmäßig bei dem 43-Jährigen gearbeitet haben. Auch er wird gebeten, sich zu melden.

Lange hat die Polizei vermutet, der unbekannte Tote sei ein Pole oder stamme aus Osteuropa. Das wurde auch angenommen, weil am Niederrhein viele osteuropäische Helfer im Gartenbau arbeiten. Der 43-Jährige wohnte aber 114 Kilometer entfernt. Die Idee des Täters, die Leiche weit entfernt abzulegen, habe fast funktioniert, sagen die Ermittler.

dpa

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