Moschee-Gerüchte und Schmierereien in Mengede

Mengeder Straße

Große Aufregung in Mengede: Einige Bürger im alten Mengeder Ortskern befürchten, dass an der Mengeder Straße 688-694 eine Moschee gebaut werden soll. Am Donnerstag gab es eine spontane Versammlung im Burghof - und in der Nacht zu Mittwoch wurden die betreffenden Häuser beschmiert. Die Polizei sucht Zeugen.

MENGEDE

von Beate Dönnewald, Uwe von Schirp und Karl-Heinz Boh

, 12.05.2017, 04:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Häuser an der Mengeder Straße 688-694 wurden mit eindeutigen Botschaften beschmiert.

Die Häuser an der Mengeder Straße 688-694 wurden mit eindeutigen Botschaften beschmiert.

Wörter wie „Keine Moschee“ und „Kein Islam“ stehen in großen Buchstaben und schwarzer Schrift an Fassaden und Fenstern. Die Täter sind bislang unbekannt, die Polizei sucht Zeugen. Den Gerüchten und Schmierereien vorausgegangen ist der Verkauf der Häuser an eine Projektgesellschaft. 

Unsere Redaktion hatte Gelegenheit, den zuständigen Immobilienkaufmann zu den Gerüchten und Plänen zu befragen. „Daraus wird definitiv keine Moschee gemacht, auch keine Schulungsräume für eine islamische Gemeinde“, betont Jürgen Sendner. „Da kauft man fünf kaputte Häuser und dann entstehen solche Gerüchte“, wundert er sich und stellt klar: „Daraus werden Wohnungen gemacht.“

Reine Objektgesellschaft

Der Immobilienkaufmann ist für die Firma F.R.E.I.-Acquisition aus Schüren tätig, die den Kauf begleitet und die künftige Nutzung mit entwickelt hat. Käufer ist eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts aus Essen. „Eine reine Objektgesellschaft, die man für solche Objekte gründet.“ Nach Aussage von Jürgen Sendner war der Kauf „kein Schnapper“, sondern sei vor einer möglichen Zwangsversteigerung abgewickelt worden. Dadurch lag der Kaufpreis über der Belastung, die in den Grundbüchern eingetragen war. Die seien mit dem Kauf alle tilgbar.

Derzeit begutachteten Architekten den baulichen Zustand des Hauses. „Drinnen sieht es böse aus. Das Haus hat Holzdecken. Es wurde fünf Jahre nicht geheizt. Da muss auf Baufälligkeit geprüft werden“, sagt Sendner. Keinen Zweifel lässt er daran, dass „die Sanierung beginnt“. Bevor aus den bislang gewerblich genutzten Räumen im Erdgeschoss Wohnungen werden, müsse eine Nutzungsänderung in Wohnraum bei der Stadt beantragt werden.

"Normale Wohnungen"

Eine weitere gewerbliche Nutzung schließt der Immobilienfachmann aus. „Es entstehen ganz normale Wohnungen für ganz normale Menschen, die in Mengede wohnen wollen.“ Erst nach der Analyse der Statik könne er sagen, wie viel Wohneinheiten entstehen. Er rechnet mit etwa 20 und einer Investitionssumme im mittleren sechsstelligen Bereich. Wert legt er auf die Ausstattung, die dem Wohnumfeld im alten Mengeder Ortskern angepasst wird. „Sonst bekommen Sie keine vernünftigen Mieter.“

An der gestrigen Versammlung mit den aufgebrachten Bürgern nahmen auch Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch und Bezirksverwaltungsstellenleiter Michael Konrad teil. Laut Konrad einigten sich alle darauf, eine Anfrage an die Verwaltung zu stellen. Die zentralen Fragen lauteten: Wer ist der Käufer und neue Eigentümer? Welche Informationen hat die Stadt zum Bauvorhaben? Welche Art der Bebauung ist dort möglich? 

Im Gespräch mit dieser Redaktion sagte Anwohner Hans-Werner Hagemann aus der Williburgstraße: „Sollte dort ein islamisches Versammlungszentrum geplant werden, ist mit erheblichen Bürgerwiderstand aus ganz Mengede zu rechnen.“ Die Anlieger befürchteten vor allem Parkchaos und Lärmbeeinträchtigungen.

Gleich vier Strafanzeigen gegen Unbekannt wurden wegen der Farbschmierereien gestellt. Bislang liegt laut Polizeisprecher Kim Ben Freigang ausschließlich der Straftatbestand einer Sachbeschädigung vor. Ermittelt werde aber in alle Richtungen, so Freigang. Ob ein politischer Hintergrund oder ein Propagandadelikt vorliegt und eventuell der Staatsschutz eingeschaltet wird, werde derzeit geprüft. Zeugen werden gebeten, sich unter Tel. 32 74 41 bei der Polizei zu melden.