Mozart in der Klinik

Herzogs "Zauberflöte" eröffnet Salzburger Festpiele

Zwei Welten prallen in Mozarts "Zauberflöte" aufeinander: die des Lichtes und der Rationalität von Sarastro und die der Nacht und der Gefühle der Königin. Bei der Eröffnungspremiere der 92. Salzburger Festspiele prallten in der Felsenreitschule die musikalische Interpretation von Nikolaus Harnoncourt und die Inszenierung des Dortmunder Opernintendanten Jens-Daniel Herzog aufeinander. Und spalteten die Gemüter.

SALZBURG

von Von Julia Gaß

, 29.07.2012, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum ersten Mal dirigierte Harnoncourt die Oper auf historischen Instrumenten. Das hätte, wie es in der Ouvertüre anklang, ein knackiger Spaß werden können. Aber der 82-Jährige ließ seinen Concentus Musicus immer mehr in langsamen Tempi verharren. Manchmal war das begründet und fand Korrespondenz in der Regie. Aber der zweite Akt war nah am Stillstand, klang spröde und hemmte den Spielfluss. Es entstanden Pausen und eine Stagnation, gegen die das Ensemble nicht anspielen konnte.

Herzogs Konzept war lebendiger. Er erzählt die Geschichte vom Erwachsenwerden zweier junger Menschen heute mit aufwändiger Bühnenmaschinerie. Bühnenbildpartner Mathis Neidhardt, mit dem er auch in Dortmund zusammenarbeitet, hat die Kulisse der Felsenreitschule nochmal auf die Bühne geholt, schafft mit beweglichen Kästen ein Labyrinth und kleine Räume, in denen die Figuren auf der Riesenbühne präsenter wirken.

Viele Anregungen, Neues zu entdecken, bietet die Regie und fordert auch zum Rätseln auf. - Nicht nur über die verschlüsselte Buchstaben-Botschaft an den Türen, hinter der sich die Worte Weisheit, Natur, Vernunft versteckt.

Detektive im Trenchcoat  Wie die listige Schlange schnappen die drei Damen nach Tamino und eilen ihm mit Schwesternhäubchen und Notarztkoffer zu Hilfe. Im Gefolge der Königin der Nacht (klar gesungen, aber ohne den Glanz früherer Salzburger Königinnen: Mandy Fredrich) werden die Damen zu Detektiven im Trenchcoat.Marktplatz und Heilanstalt

Papageno (Markus Werba, der später mehr Wiener Charme ausspielte) fährt mit einer Ape auf die Bühne, hat in dem dreirädrigen Roller seine Vögel aufgehängt und macht die Bühne zum Marktplatz. Sarastro ist der Chef einer Heilanstalt mit angeschlossenem Internat, in dem Monostatos (von dem Harnoncourt in Mozarts Autograph entdeckt hat, dass er Manostatos heißt), das Sagen hat und Pennäler die Sklaven sind.

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"Zauberflöte" in Salzburg

Der Dortmunder Opernintendant Jens-Daniel Herzog eröffnet mit seiner Inszenierung von Mozarts Oper "Die "Zauberflöte" am Freitag die Salzburger Festspiele.
24.07.2012
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Mit der Schlange beginnt das Unglück.© Foto: Neubauer
Immer was los mit den drei Damen.© Foto: Neubauer
Papageno immer im Zentrum des Geschehens.© Foto: Neubauer
Ein richtig guter Papageno, Markus Werba.© Foto: Neubauer
Papageno versteht Spaß.© Foto: Neubauer
Tamino mit den Damen.© Foto: Neubauer
Die Königin der Nacht mit einem zaudernden Tamino.© Foto: Neubauer
Aber Tamino liebt doch ihre Tochter Pamina.© Foto: Neubauer
Die Königin der Nacht.© Foto: Neubauer
Tamino verlässt unfreiwillig sein Bett.© Foto: Neubauer
Die Königin der Nacht mit Pamina.© Foto: Neubauer
Mit der Königin der Nacht ist nicht zu spaßen.© Foto: Neubauer
Mit diesem Messer sollst Du es tun.© Foto: Neubauer
Manostatos und sein Opfer Pamina.© Foto: Neubauer
Papageno und Tamino sind in Gefahr.© Foto: Neubauer
Tamino in Bedrängnis.© Foto: Neubauer
Von ihnen geht immer Gefahr aus. Die drei Damen.© Foto: Neubauer
Er ist nie zufrieden, Nikolaus Harnoncourt.© Foto: Neubauer
Auch darstellerisch hervorragend die Knaben.© Foto: Neubauer
Papageno und Pamina.© Foto: Neubauer
Papageno hat Probleme mit dem Lieferwagen.© Foto: Neubauer
Der ewig grantelnde Nikolaus Harnoncourt. © Foto: Neubauer
Vertraut, der Herzog und sein Papageno.© Foto: Neubauer
Das tut gut. Herzog nach der Probe.© Foto: Neubauer
Alexander Pereira und Jens Daniel Herzog.© Foto: Neubauer
Fantasievolle Ausstattung.© Foto: Neubauer
Tamino und Pamina sind gerettet.© Foto: Neubauer
Alexander Pereira und Jens Daniel Herzog.© Foto: Neubauer
Die Prüfungen des Tamino.© Foto: Neubauer
Nikolaus Harnoncourt.© Foto: Neubauer
Tamino und Papageno verabschieden die Jungs.© Foto: Neubauer
Papageno auf dem Marktplatz.© Foto: Neubauer
Papageno, der ewige Lebemann.© Foto: Neubauer
Männer wie ihn, mögen die Damen. Papageno in seinem Element.© Foto: Neubauer
Blumen für Papageno.© Foto: Neubauer
Mozart hätte seine Freude an der Herzog Inszenierung.© Foto: Neubauer
Die drei Damen haben auch ihre Freude mit dem schlafenden Tamino.© Foto: Neubauer
Seine Papagena hat er sich anders vorgestellt.© Foto: Neubauer
Ein spezielles Mahl mit besonderem Personal.© Foto: Neubauer
Sie sollte seine Mörderin sein: Pamina.© Foto: Neubauer
Und sie tut es nicht. Pamina zögert.© Foto: Neubauer
Herzog im Gespräch Harnoncourt.© Foto: Neubauer
Alles gut gelaufen, Herzog nach der Probe.© Foto: Neubauer
Die Königin der Nacht im Kampf.© Foto: Neubauer
Und er traut sich natürlich nicht, Papageno.© Foto: Neubauer
Tamino und Pamina sind gerettet. © Foto: Neubauer
Tamino und Pamina, eine Liebe im Angesicht der fremden Macht.© Foto: Neubauer
Die Knaben sind Profis und haben Spaß an der Arbeit.© Foto: Neubauer
Die Inszenierung hat spannende, aber auch amüsante Momente. Hier zögert Pamina - trotz der Zielscheibe.© Foto: Neubauer
Friedensschluss auf dem Etagenbett.© Foto: Neubauer
Ein spezielles Mahl mit besonderem Personal.© Foto: Neubauer
Die Tölzer Knaben sind Profis und haben Spass an der Arbeit.© Foto: Neubauer
Tamino und Pamina - eine Liebe im Angesicht der fremden Macht.© Foto: Neubauer
Tamino und Pamina sind gerettet. Eine Liebe, die niemand zerstören kann.© Foto: Neubauer
Prüfungen für Tamino und Pamina.© Foto: Neubauer
Seine Papagena hat er sich anders vorgestellt.© Foto: Neubauer
Aufhängen oder nicht? Er traut sich natürlich nicht, der Papageno.© Foto: Neubauer
Die Königin der Nacht im Kampf.© Foto: Neubauer
Die drei Damen haben auch ihre Freude mit dem schlafenden Tamino.© Foto: Neubauer
Mozart hätte seine Freude an der Herzog-Inszenierung.© Foto: Neubauer
Blumen für Papageno© Foto: Neubauer
Hahn im Korb - und Papageno in seinem Element.© Foto: Neubauer
Papageno der ewige Lebemann.© Foto: Neubauer
Papageno auf dem Marktplatz.© Foto: Neubauer
Tamino und Papageno verabschieden die Tölzer Jungs.© Foto: Neubauer
Die Prüfungen des Tamino.© Foto: Neubauer
Tamino unter Wölfen.© Foto: Neubauer
Pamina und Papageno in Schwierigkeiten.© Foto: Neubauer
Tamino und Papageno bei Ärzten.© Foto: Neubauer
Herzog im Gespräch mit dem Papageno Markus Werba.© Foto: Neubauer
Die Felsenreitschule ist eine imposante Kulisse auch für die Massenszenen. © Foto: Neubauer
Die Bildsprache des 21. Jahrhunderts hat Herzogs "Zauberflöte".© Foto: Neubauer
Viel Maschinerie wird auf der Bühne der Felsenreitschule bewegt.© Foto: Neubauer
Pamina und Tamino sind gerettet.© Foto: Neubauer
Tamino und Pamina sind gerettet.© Foto: Neubauer
Alles gut gelaufen: Herzog nach der Probe.© Foto: Neubauer
Nikolaus Harnoncourt (r.) im Gespräch mit Jens-Daniel Herzog.© Foto: Neubauer
Dirigent Nikolaus Harnoncourt mit Jens-Daniel Herzog bei der Probe.© Foto: Neubauer
Der neue Festivalchef Alexander Pereira (l.) im Gespräch mit Jens Daniel Herzog.© Foto: Neubauer
Alexander Pereira und Jens Daniel Herzog.© Foto: Neubauer
Die drei Knaben (Tölzer Knabenchor) sind greise Weise mit Glatzen, erfüllen damit aber nur ein Viertel von Schikaneders Idee "jung, schön, hold und weise". Sonst ist Herzogs Inszenierung nah am Text von Emanuel Schikaneder, dessen 200. Todestag die Festspiele damit gedenken.Zauberkästchen Zauberflöte und Glockenspiel stellt Herzog ein blinkendes Zauberkästchen zu Seite, das Sarastro Weisheit in den Kopf fließen lässt. Am Schluss baumelt der Kasten als Babyrassel über den Kinderwagen der kleinen Papagenos und Papagenas, während Sarastro und die Königin auf dem Boden um den Sonnenkreis ringen. Richtig schön hat Herzog Feuer- und Wasserprobe in einer Flammen- und blubbernden Aquariumbox inszeniert.

Richter war eine Entdeckung

Bernhard Richter als Tamino war eine Entdeckung. Mit kraftvollem Tenor empfahl sich der Schweizer schon als künftiger Wagner-Tenor. Georg Zeppenfeld, der am Theater Münster erste Bühnenerfahrungen gesammelt hat, sang einen schlanken Sarastro, Julia Kleiter eine kultivierte Pamina in einem solide besetzten Ensemble, das nicht auf Weltstars setzte. Ein Dortmunder Ensemblemitglied war auch dabei: Lucian Krasznec sang den Ersten Geharnischten und Priester.

 

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