Mr. Beethoven ist eine Klasse für sich

Klavier-Festival Ruhr

Klassikfreunde nennen Rudolf Buchbinder "Mr. Beethoven". Zu Recht, denn besser als der Pianist, der im Dezember 70 Jahre alt geworden ist, spielt keiner die Werke von Beethoven. Montag zeigte er beim Klavier-Festival in der Philharmonie Essen in vier Sonaten des Bonner Komponisten, dass er da eine Klasse für sich ist.

ESSEN

, 04.07.2017, 14:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mr. Beethoven ist eine Klasse für sich

Rudolf Buchbinder hat beim Klavier-Festival Ruhr seinen Ruf als „Mr. Beethoven“ wieder bestätigt.

Die besteht zunächst darin, in den Ecksätzen die rasanten Tempi anzuschlagen, die Beethoven notiert hat, die aber kaum ein anderer Pianist spielt, weil alle behaupten, die Metronomangaben zu Beethoven-Zeit wären falsch. Buchbinder beherrscht diese Tempi, die das Rondo der "Waldsteinsonate" fast übersprudeln ließen und schon die frühe dritte Sonate mitreißend eröffneten, souverän.

Mehr Leidenschaft als Pathos

Aber der Österreicher ist kein Pianist, der auf Effekthascherei aus ist. Jedem Satz gibt der Altmeister einen anderen Charakter, und Buchbinder weiß auch genau, wie und wo ein Pianist bei Beethoven Akzente setzen muss. In der "Pathétique" klangen die zuweilen nach "Appassionata", mehr nach Leidenschaft als nach Pathos und sehr schön jugendlich ungestüm.

In der zehnten Sonate stellte der Österreicher das Spielerische, Leichte und Frische besonders charmant heraus. Wer - wie Buchbinder- 39 Gesamtausgaben von Beethovens Klaviersonaten im Schrank stehen hat, kennt eben jedes Werk und seine Eigenarten ganz genau.

Sturm-Sonate als Zugabe

Mit den Finalsätzen der Sturm-Sonate und zweiten Sonate dankte Buchbinder als Zugaben. Das Publikum, darunter die Ehefrau des Pianisten, hätte noch stundenlang zuhören können.