„Much Dance“ ist von heiterer Leichtigkeit

Ruhrtriennale

Ein Quartett porträtiert die Spielarten der Liebe - singend, ein Gedicht vortragend und tanzend: "Much Dance" heißt das Tanzstück von Jan Decorte, eine Übernahme der Münchner Kammerspiele, die am Freitag bei der Ruhrtriennale auf Pact Zollverein in Essen bejubelt wurde.

ESSEN

30.08.2015, 11:42 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Much Dance“ ist von heiterer Leichtigkeit

Szene aus „Much Dance“ mit (v.l.) Risto Kübar, Sigrid Vinks und Benny Claessens

Es geht nicht um Virtuosität und Perfektion, denn ausgebildete Tänzer gibt es in dieser Performance nicht. Neben dem belgischen Regisseur Decorte und seiner Ehefrau, der Schauspielerin Sigrid Vinks, bestreiten die tollen Mimen Benny Claessens und Risto Kübar den 75-minütigen Abend, der eine kindlich-leichte Heiterkeit verbreitet.

Hübsch ironisch gebrochen

Tanzen können sie natürlich nicht - und sie geben sich in den schlichten Choreografien auch noch größte Mühe, es möglichst ungelenk aussehen zu lassen. Das ist hübsch ironisch gebrochen.

Sigrid Vinks steckt in einem Sackkleid, das wenig Bewegungsspielraum lässt. Da müssen ihr der mächtige Claessens und der schmächtige Kübar, beide tragen hässliche naturfarbene Röcke zum nackten Oberkörper, schon in eine Art Handstand helfen.

So werden artistische Elemente als wunderbarer Schabernack dargeboten. Kübar versucht mehrmals, sich springend auf den leicht nach vorne gebeugten Claessens zu legen, rutscht aber immer wieder ab.

Sigrid Vinks reitet nicht nur auf Claessens, der auf allen Vieren über die Bühne krabbelt, sondern stellt sich wie im Zirkus auch auf seinen Rücken. Charmanter Kinderspielspaß.

Abstrus-makabres Gedicht

Ein Gedicht über die Liebe, ein abstrus-makabres, fehlt ebenfalls nicht: Von Kübar als verlegener Jüngling grandios häppchenweise vorgetragen. Skurril beendet er jeden Lyrikteil mit einer heftigen Kopfdrehung, bevor er zu Boden knallt und dort für Sekunden pathetisch verharrt.

Decorte selbst beobachtet das muntere Treiben der drei Performer, kippt gegen Ende vom Hocker und lässt sich von seiner um ihn trauernden Lebenspartnerin über die Bühne schleifen. Nicht nur verliebte Albernheiten, auch der Tod gehört zur Liebe.