Müll-Chaos im Horrorhaus

Annenstraße 21a/b

Im Hinterhof türmen sich seit Wochen alte Küchengeräte und Müllsäcke. Der Keller – voll gestellt mit Sperrgut und Unrat – ist ein Tummelplatz für Ratten. In den Häusern Annenstraße 21 a und b herrscht das Chaos. Auch was die Zuständigkeiten angeht.

ANNEN

31.01.2014, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit beruhigendem Anschreiben an die Mieter: In den Verkaufverträgen werden die Rechte unserer Mieter durch zusätzliche Vereinbarungen, die über den normalen Mieterschutz hinaus gehen, gesichert, damit Sie als unsere bisherigen Vertragspartner nicht um Ihre Mietwohnung bangen müssen. „Doch mit der Privatisierung der städtischen Immobilie begann das Chaos“, sagt Knut Unger vom Mieterverein. Nach eineinhalb Jahren verkaufte der neue Eigentümer die Immobilie mit hohem Gewinnaufschlag für eine Million Euro an die Firma „Aquila“, die sich später in „Bquila“ umbenannte.

„Damit ging es vollends bergab“, so Unger. Diese Düsseldorfer Firma machte aus dem Mietshaus ein immer undurchsichtigeres Anlegerobjekt. Das Haus wurde in Teileigentum umgewandelt, ohne den Mietern das Vorkaufsrecht einzuräumen. Rund 15 Wohnungen sind inzwischen verkauft, glauben die Mieter.

Denn sicher sein können sie nicht, sie werden nach wie vor aufgefordert, die Mieten an den neuen Verwalter IGC-Konzept GmbH, zu überweisen, die zufällig den gleichen Geschäftsführer hat wie früher die Aquila GmbH. Eine Vollmacht der Eigentümer kann Konzept nicht vorlegen. Die meisten Mieter wissen gar nicht, wer ihr Wohnungseigentümer ist. Der Mieterverein rät zur Hinterlegung der Miete beim Amtsgericht. Zweimal drohte in 2013 den Mietern das Wasser abgesperrt zu werden, weil der Eigentümer die Rechnungen von Stadt und Stadtwerken nicht bezahlt hatte.

Vor diesem Hintergrund verließen einige Mieter Hals über Kopf das Horrorhaus. Als Quittung für Nichtrückzahlung der Kaution ließen sie ihren Sperrmüll zurück. Dass hier ein windiges Anlegermodell beworben worden ist, zeigte auch die Reaktion eines Eigentümers, der sich im Dezember über seine Anwältin beim Mieterverein meldete und Ansprüche auf Mietzahlung erhob.

„Der junge Mann musste mit Erschrecken feststellen, dass seine Immobilie, die er nie besichtigte, viel weniger wert ist, als ihm versprochen wurde“, so Unger. Dass rasches Handeln erforderlich ist, sieht auch Uwe Andresen vom Amt für Wohnen und Soziales. Aber er betont: „Mir erschließt sich nicht, dass nach dem Verkauf des Gebäudes nun eine Verantwortung für die Stadt hergeleitet wird.“In Sachen Rattenbekämpfung sei das Ordnungsamt bereits aktiv.

Er selbst sei bemüht, eine Eigentümerliste zu bekommen. Für das Müllproblem sei der EN-Kreis zuständig, so Andresen. Ihm wäre es am liebsten, der Kreis ginge mit der Müll-Entsorgung in Vorleistung und holte sich die Kosten von den Eigentümern zurück. Für Knut Unger ist nun das wichtigste Ziel: „Wir müssen jetzt die Eigentums-Verhältnisse klären und das Geschäftsmodell aufdecken.“

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