„Münchhausen“: Solo für einen charmanten Hochstapler

Ruhrfestspiele

Er schleicht um die Bühne wie die Katze um den heißen Brei, tastet sich zögerlich vor, bis er oben ist: "Ähem - dann geht’s jetzt los. Das ist ein Stück über mich. Nicht ich, sondern ich als Figur, wenn ich das richtig verstanden habe."Milan Peschel spielt Milan Peschel, so wie Armin Petras ihn sieht.

MARL

, 31.05.2015 / Lesedauer: 2 min
„Münchhausen“: Solo für einen charmanten Hochstapler

Milan Peschel in „Münchhausen“

"Münchhausen" (Samstag bei den Ruhrfestspielen im Theater Marl gesehen) ist ein anderthalbstündiger Monolog über den Beruf des Schauspielers, eine Liebeserklärung an das Theater, scheinbar aus dem Stegreif improvisiert.

Als Bewusstseins-Strom eines Spielers, der plaudert und plappert, sich in Fragmenten von Tschechow, Tolstoi, Dostojewski (?) verheddert und davon schwärmt, mit dem Spielen gar nicht mehr aufzuhören.

Amüsante Idee

Auf dem Papier mag das verkopft klingen, mit Peschel wird es farbig, unterhaltsam und gewitzt, auch weil Jan Bosses Inszenierung vom Deutschen Theater Berlin mit amüsanten Ideen nahe am Slapstick aufwartet.

Zur Komik in Petras' Text wispert immer auch die zweite reflektorische Ebene mit: Was machen wir am Theater? Für wen machen wir es? Wie fühlt sich ein Mime, der ständig in Rollen schlüpft?

Blick in Theatermaschine

Theater ist augenzwinkernde Hochstapelei, ein Ritt auf der Kanonenkugel, live und direkt, sagt Petras. "Ich bin da, das ist gut, das ist mein Beruf", meint Peschel: "Ohne Eitelkeit würde ich hier nicht stehen." Leider solo, weil der Kollege, "der Zalando-Franzose" zu spät sei. Hilft nichts, wir müssen da durch.

"Möchten Sie auf die Bühne und alles von hier sehen?" Peschel holt einen Mann aus dem Publikum nach oben, mit dem er einen Talk in Kurt Krömer-Manier veranstaltet. Sehr lustig.

Peschel trinkt Bier, isst ein Brötchen, poltert in den Kulissen herum, tänzelt wie Fred Astaire. "Der Schnickschnack muss sein, schon wegen der Intensität!" Wir blicken ins Innere der Theatermaschine, sehen dem "Hochstapler" Peschel zu, wie er von einer Rolle in die andere fällt, charmant, ironisch, den Schalk im Nacken. Minutenlang Applaus.