Mütter fordern frei wählbare Betreuungszeiten

Kindertagesstätte

Wollen Eltern, dass ihr Kind in einer Kita länger betreut wird als zunächst vereinbart, müssen sie einen Antrag beim Träger stellen und einen Arbeitszeit-Nachweis vorlegen. Drei Mütter aus Berghofen finden, dass moderne Familienpolitik anders aussieht. Das ist aber nicht ihr einziger Kritikpunkt.

BERGHOFEN

, 28.06.2016, 00:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mütter fordern frei wählbare Betreuungszeiten

Mütter aus Berghofen fordern, dass Eltern die Betreuungszeiten für ihre Kinder frei wählen können.

Ihr Vorwurf: Bei den Arbeitszeit-Nachweisen für einen Kinder-Betreuungsplatz werde mit zweierlei Maß gemessen. Auch die Vorsitzende des Vereins "Leuchtsterne – Kindertagespflege Dortmund", Karin Kesten, spricht von einer "nicht hinnehmbaren Ungleichbehandlung." Das Jugendamt weist die Vorwürfe zurück. "In den Kitas geht es doch nur darum, dass alle Plätze vergeben werden", sagt Kesten. "Da soll eine Mutter ihr Kind 45 Stunden betreuen lassen, obwohl es dafür weder den Anspruch noch den Bedarf gibt", kritisiert sie.

Ihr Fall: Die berufstätige Mutter Juliane Damm wollte die Betreuungszeit für ihren Sohn Henry (2) bei der Tagesmutter von 35 auf 38,5 Wochenstunden erhöhen. "Mein Antrag wurde abgelehnt", berichtet sie. Dabei habe sie ihn aus guten Gründen gestellt: So müsse sie ihre ältere Tochter Greta von der Schule abholen, für sie kochen – und etwas Zeit mit ihr alleine verbringen zu können, sei auch wichtig. Zudem müsse sie Henry bei einer früheren Abholung von der Tagesmutter dort aus dem Mittagsschlaf reißen. Gleichzeitig sollte Jasmin Papies für ihren Sohn Lenn (2) eine 45-Stunden-Betreuung annehmen, obwohl sie nur 35 Stunden beantragt hatte. Die Arbeitszeiten hätten dort, berichtet Jasmin Papies, niemanden interessiert. 

Ihre Forderung: Wir fordern für Dortmund den Wegfall der Arbeitszeitnachweise für alle Betreuungsformen und freie Entscheidungen "der Eltern über den Umfang der Betreuungsstunden." Das hält auch Martina Nembach, eine weitere Mutter aus Berghofen, für angebracht: "Jede Familie sollte unabhängig von den Arbeitszeiten der Eltern den Umfang der Betreuung selber entscheiden. Das ist moderne Familienpolitik."

Die aktuelle Lage: Momentan erhalten Eltern ohne den Nachweis einer Berufstätigkeit oder sozialpädagogischer Gründe einen 35-Wochenstunden-Platz für ihr Kind. Für mehr Betreuung müssen sie gemäß Kinderbildungsgesetz gegenüber dem jeweiligen Träger die entsprechenden Nachweise erbringen. Im Fall von Familie Damm habe der Träger die Aufstockung ablehnen müssen. "Frau Damm arbeitet von 7.30 bis 13 Uhr. Daher war die Notwendigkeit einer Erhöhung des Betreuungsumfangs nicht gegeben."

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