Mummenschanz lädt zum Urlaub im Fantasieland ein

Kölner Sommerfestival

Seit 40 Jahren fasziniert das Theater "Mummenschanz" als Virtuosen der Stille mit seinen Figuren. Alfred Biolek hatte die einzigartige Theaterformation Anfang der 80er Jahre für Deutschland entdeckt. Am 13. und 14. August ist die Gruppe mit Höhepunkten aus 40 Jahren beim 25. Kölner Sommerfestival in der Philharmonie zu Gast. Julia Gaß sprach mit der Mitbegründerin Floriana Frasetto.

KÖLN

von Von Julia Gaß

, 01.08.2012, 11:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie haben 1972 in Paris zusammen mit Andres Bossard und Bernie Schürch, der auch noch mit dabei ist, "Mummenschanz" gegründet. Wie hat sich das Programm in den 40 Jahren verändert? Seit dem Jahr 2000 haben wir eine neue Show und auch andere Technik wie die Marionetten. Auch die sorgen imm er für viele Ohs und Ahs beim Publikum. Im Tanz hat sich nicht viel verändert, aber wir setzen neue Materialien ein und gehen spielerisch und interaktiv damit um. Kunst lebt von Kommunikation. Unsere Emotionalität kommt von Objekten, die normalerweise nicht leben.Sie tanzen als gelbes Rohr mit rotem Ballon-Kopf über die Bühne, ein Koffer wird zum Kopf, es gibt Riesenhände, die nach dem Publikum greifen. Woher nehmen Sie ihre Ideen für die ungewöhnlichen Figuren? Aus der Natur, beim Wandern in den Bergen, auf dem Markt oder im Museum. Plötzlich findet man so etwas. Eine Idee ist wie ein kleiner Ort, Du musst nur die Tür offen machen.Sie sind gerade im Mummenschanz-Atelier in St. Gallen. Bauen Sie die Figuren alle selbst und haben alle die 40 Jahre überlebt? Wir machen alles selbst und viele Kostüme haben wir im Laufe der Zeit immer mal wieder erneuert.Ist zum 40-jährigen Bestehen ein Best-of zu sehen? Auch mit den alten, schönen Nummern? Ja. Es gibt drei Phasen in unserer Theatergeschichte, aus allen ist in dieser Show etwas zu sehen. In den 70er Jahren haben wir mit Lehmmasken gespielt, und aus dieser Zeit stammt auch die gelbe Röhre mit dem roten Ball oder das grüne Maul. In den 80er Jahren haben wir die Figuren vergrößert, mit größeren Rohren und aufgeblasenen Figuren gespielt. Aus dieser Zeit stammen auch die beiden großen Sumo-Ringer oder der Koffer von dem Mensch, der seinen Kopf verloren hat. Später wurden die Figuren dann abstrakter und Marionetten sind dazu gekommen. Die Geschichten sind aber ähnlich: Unser Stil ist immer sehr poetisch und spielerisch geblieben.Sie sind Virtuosen der Stille, ihr Programm ist Theater ohne Worte. Sprechen Sie untereinander hinter dem schwarzen Vorhang? Eigentlich nicht, wir vermissen die Worte nicht, wir zeigen uns und dem Publikum eine intime Sprache mit dem Körper. Nur einmal haben wir gesprochen, da war der Boden in dem Theater sehr glatt.Ist es ein Geheimnis Ihres Erfolgs, dass Ihre Kunst so zeitlos und ruhig ist? Sehnen sich die Menschen in unserer hektischen Zeit nach Stille und Poesie? Ich denke, ja. Bei uns können sich die Zuschauer entspannen in einer Fantasiewelt. Und die Spiellust ist immer groß. Wenn wir mit dem Ball spielen, wollen alle gerne mitspielen.Sie haben auf allen Kontinenten gespielt. Lachen die Menschen überall an den selben Stellen? Auf der ganzen Welt, vom Iran bis München und bis Chile ist es immer ähnlich. Das deutsche Publikum ist ein bisschen mehr analytisch, andere sind sehr spontan, das gibt immer einen anderen Rhythmus.Sind Sie auch deshalb so erfolgreich, weil sich an Ihrem Theater sowohl Kinder als auch Erwachsene freuen und Spaß haben? Ja. Aber es ist wichtig, dass die Kinder nicht jünger als sechs Jahre sind. Kleinere Kinder haben Angst vor der Dunkelheit.

Termine: 13./14.8., 20 Uhr, Philharmonie Köln, Karten (45 Euro): Tel. (02 21) 28 01.

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