Museum Kunstpalast in Düsseldorf schaut hinter den Vorhang

Neue Ausstellung

Christo muss es wissen. Für den bekanntesten Verpackungskünstler hat das Verhüllende etwas Enthüllendes. Noch einen Schritt weiter geht der Schweizer Beat Wismer. "Hinter dem Vorhang verbirgt sich das Geheimnis der Kunst", weiß der scheidende Generaldirektor des Museums Kunstpalast in Düsseldorf aus der Kunstgeschichte. Den Beweis dafür tritt er zu seinem Abschied mit einer üppig bestückten Ausstellung an.

DÜSSELDORF

, 29.09.2016, 17:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Museum Kunstpalast in Düsseldorf schaut hinter den Vorhang

Edouard Vuillard malte den „Gelben Vorhang“ um 1893.

Unter dem Titel "Hinter dem Vorhang - Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance" zeigt sie epochenübergreifend von Tizian bis Christo, was es in der Kunst mit Vorhängen, Tüchern und Schleiern auf sich hat. Schon in der christlichen Tradition spielen sie eine bedeutungsvolle Rolle. In Hans Holbeins "Maria mit dem schlafenden Christuskind" ersetzt ein pittoresk ausgebreitetes Tuch über den Häuptern den Baldachin. Den theatralischen Zauber einer solchen Inszenierung nutzten Maler schon im Barock und erst im galanten Zeitalter.

Die Gier des Gottes

In einem Großformat des Flamen Van Dyck offenbart sich die Gier Jupiters, der als Satyr verkleidet die schlafende nackte Antiope in ihrer vollendeten Schönheit aufdeckt. Obwohl Kunst hier lange nicht mehr so dicht gedrängt gezeigt worden ist, gehen selbst die kleinsten der über 200 Gemälde, Aquarelle, Skulpturen und Installationen nicht unter.

Gemaltes Menetekel

Zu den wichtigsten Werken zählt Tizians Porträt des abgehalfterten Mailänder Erzbischofs Filippo Archinto hinter einem halb zugezogenen transparenten Seidenvorhang - ein grandioses Sinnbild schwindender Macht und ein Menetekel des Vergänglichen. Shirin Neshat greift mit ihrer inszenierten Fotografie einer verschleierten Muslimin mit arabischen Schriftzeichen auf Stirn und Wangen und einer Pistole, deren Mündung knapp am Betrachter vorbeizielt, mit aktueller Brisanz die irrationale Furcht des Westens vor dem Islam auf.

Christo hat den Käfer verpackt

Spannend ist diese Ausstellung, weil sie die Thematik in unterschiedlichsten Aspekten ausleuchtet. Christos verpackter VW "Beetle" und seine bonbonfarbene Ladenfront "Purple Store Front" deuten indes eine Tendenz zeitgenössischer Kunst an: Der Vorhang bleibt geschlossen.

Museum Kunstpalast Düsseldorf: "Hinter dem Vorhang" , Ehrenhof 4-5, 1.10.2016- 22.1.2017, Di-So 11-18 Uhr, Do bis 21 Uhr, Katalog 39,90 Euro.