Museum Mülheim zeigt zeitgenössische Kunst aus Israel

Ausstellung "Konturen des Alltags"

Das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr widmet sich in der Ausstellung "Konturen des Alltags" der zeitgenössischen Kunst aus Israel. Wer jedoch ausschließlich politische Arbeiten erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Die Botschaften sind subtiler.

Mülheim

, 17.03.2015, 16:31 Uhr / Lesedauer: 1 min
Museum Mülheim zeigt zeitgenössische Kunst aus Israel

Skulpturen von Gil Shachar: Hyperrealistische Abbilder von Gesichtern, die wirken, als wären sie echt.

Naheliegend wäre das durchaus, wenn vier Vertreter zeitgenössischer Kunst aus Israel – einem Land, in dem militärische und religiöse Konflikte seit Jahrzehnten zum Alltag gehören – ihre Werke präsentieren.

Abgebrannte Streichhölzer

Doch die Botschaften der Malereien, Skulpturen, Installationen und Videos sind subtiler – etwa die Arbeiten von Yitzhak Golombek, die an abgebrannte Streichhölzer erinnern oder an Zähne und so einen unterschwelligen Bezug zur leidvollen Geschichte des Judentums herstellen. „Es wird immer erwartet, dass wir politisch werden und protestieren“, sagt der Bildhauer Gil Shachar. „Doch viele Künstler in Israel wollen das nicht.“

Es bestehe immer die Gefahr, dass es sonst platt und plakativ werde. Stattdessen sei die Ausstellung bewusst so konzipiert worden, sagt Beate Reese, Leiterin des Kunstmuseums. „Der Titel spielt darauf an, den Alltag zu leben in einer Ausnahmesituation.“

Digitale Zeichnungen

Der Künstler Yoav Efrati erzählt in seinen digitalen – oft kindlich wirkenden – Zeichnungen tiefgründige und verrätselte Geschichten von alltäglichen Begebenheiten und zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Installationen und Rauminszenierungen von Talia Keinan, 2008 mit dem Israeli-Art-Prize ausgezeichnet, kombinieren Zeichnungen, Malerei und Video. Sie verwendet Techniken der Collage und Überblendung und gestaltet im Halbdunkel des Raums mit Licht und Klang.

Gil Shachar, der mittlerweile in Duisburg lebt und arbeitet und auf dessen Anregung die Ausstellung entstanden ist, stellt hyperrealistische Abbilder von Menschen aus, die wirken, wie echte Gesichter. Kuratorin Anja Bauer sagt: „Viele Arbeiten muss man sinnlich erfahren.“

50 Jahre diplomatische Beziehungen

Anlass der Ausstellung mit dem Titel „Konturen des Alltags“ ist der 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel am 12. Mai, sagt Beate Reese.  

Kunstmuseum Mülheim: Konturen des Alltags, bis 26.4., Di-So 11-18 Uhr, Synagogenplatz 1, Katalog 12,50 Euro.