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Musikschulen laufen die Gymnasiasten weg

Keine Zeit zum Üben

NRW Das Programm „JeKi“ (Jedem Kind ein Instrument) bringt die Grundschüler in die Musikschulen. Aber wegen der Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre hängen jugendliche Gymnasiasten die Instrumente wieder an den Nagel. Noch sind Dank JeKi die Schülerzahlen konstant, aber die Musikschulen fürchten Abmeldungen und Qualitätsverlust.

von Von Julia Gaß

, 25.11.2010 / Lesedauer: 3 min

Eine Alternative ist in Leverkusen das „Modell Drehtür“. Auch die Westfälische Schule für Musik in Münster zieht das in Erwägung. Dabei findet Instrumentalunterricht vormittags in weiterführenden Schulen statt und die Jugendlichen lernen statt einer Stunde Mathe oder Deutsch Geige oder Klavier. Jede Woche fällt eine Stunde in einem anderen Fach aus. „Wenn ein Schüler Schnupfen hat, geht es ja auch, dass er mal eine Stunde verpasst“, meint Uwe Gäb, Vorstandsmitglied des Landesverbandes und Musikschulchef in Bonn. In Münster hätten die Schulen darauf allerdings skeptisch reagiert“, erklärt der dortige Musikschulchef Ulrich Rademacher.

Einige Musikschulen, zum Beispiel Dortmund, wollen den Unterricht in weiterführende Schulen verlegen, um den Schülern weite Wege zu ersparen. In Münster wird dies schon praktiziert, dort gibt es jetzt jedoch Raumprobleme. Alternative ist der Samstag, an dem Musikschulen bislang geschlossen sind. Dann zu unterrichten, um das Feld nicht Privatlehrern zu überlassen, ist mit Zusatzkosten für Pförtner oder Hausmeister verbunden. Die jugendlichen Gymnasiasten sind meist die Leistungsträger an den Musikschulen. „Beim Wettbewerb ,Jugend musiziert‘ fängt es langsam an, dass man feststellt, dass das Niveau sinkt. Es ist ein schleichender Prozess“, hat Ulrich Rademacher als Jury-Mitglied festgestellt. Er sorgt sich – wie seine Kollegen – auch um die Ensembles, für die Gymnasiasten kaum noch Zeit haben. Die Musikschule Bochum, mit 10 000 Schülern eine der größten in Deutschland, spürt schon Auswirkungen der Schulzeitverkürzung: „Zu viel Schulstoff und zu viel Unterricht wird oft als Kündigungsgrund genannt“, so Musikschulleiter Norbert Koop. Auch er sieht langfristig seine Ensembles gefährdet.