Musiktheater Gelsenkirchen fehlt barockes Vorfeld

Baukultur

GELSENKIRCHEN Auf ein städtebauliches Desaster stieß die Bundesstiftung Baukultur im Rahmen ihres zweitägigen Konvents bei einer Exkursion durch die Gelsenkirchener Fußgängerzone.

von Von Bernd Aulich

, 18.04.2010, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Stadtbahn-Rampe vor dem MiR besichtigte die Bundesstiftung Baukultur auf einer Exkursion durch Gelsenkirchen.

Die Stadtbahn-Rampe vor dem MiR besichtigte die Bundesstiftung Baukultur auf einer Exkursion durch Gelsenkirchen.

Auf der Suche nach Identität stiftenden Freiräumen stieß die Bundesstiftung Baukultur bei ihrem zweitägigen Konvent in der Kulturhauptstadt, bei dem sie die öffentliche Baukultur an der Ruhr von der "verbauten Bildung" über die "städtische Freiheit" bis zur "verkehrten Mobilität" auf den Prüfstand stellte, in Gelsenkirchen auf ein städtebauliches Desaster.

Am Heinrich-König-Platz klafft am Eingang zu einer Stadtbahn-Station ein Loch. "Ein Angstraum", wie Propst Paas kritisiert. Ein "hypertrophes Verkehrsbauwerk", wie Stadtbaurat Michael von der Mühlen die Bausünde seiner Vorgänger mit ihrer Vorliebe für Verkehrsbeschleunigung zu Lasten lebenswerter urbaner Freiräume unumwunden kritisiert. Eine noch größere Bausünde ist die zunächst als Provisorium gedachte Stadtbahn-Rampe, die den Boulevard Ebertstraße auf dem Weg zum Musiktheater im Revier (MiR) brutal zerschneidet. Sie wurde zur Dauerlösung, weil für den Weiterbau des U-Bahn-Tunnels das Geld ausging. Anders als es sich Architekt Werner Ruhnau gewünscht hat, trennt obendrein die Florastraße als vierspurige City-Ring-Schneise die Anbindung des MiR an die Innenstadt. Dabei braucht gerade der Theaterbau, in dessen illuminiertem Foyer "das Publikum in einer großen Stadtinszenierung mitspielt", nach von der Mühlens Eingeständnis "ein barockes Vorfeld". Den will der Stadtbaurat durch den Rückbau der Schneise und eine breite Fußgänger-Furt zu Lasten des dominierenden Verkehrs schaffen. Das Loch am Heinrich-König-Platz will die Stadt im Zuge des langwierigen Stadtumbaues, der bis 2014 abgeschlossen sein soll, durch einen Deckel schließen.

Städte, rät Propst Paas, sollten nicht nur nach dem Nutzen von Freiräumen fragen. Dass am Ende aus einem städtebaulichen Scheitern doch noch ein Gewinn wird, bezeichnet Stadtbaurat von der Mühlen als "große Qualität der Demokratie als Bauherrin". Trotz Haushaltsicherung hat Gelsenkirchen als nicht überschuldete Stadt hinreichend finanziellen Spielraum, um für die Korrektur städtebaulicher Fehler teures Lehrgeld zu zahlen.

www.bundesstiftung-baukultur.de

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