Musikzentrum: Schnäppchen oder Millionen-Grab?

Stimmen zum Konzerthaus

Freude und Vorfreude hier, Bedenkenträger dort: Die Ankündigung des neuen Musikzentrums im ViktoriaQuartier hat ein geteiltes Echo hervorgerufen. Was kommt auf Bochum zu, ein Schnäppchen oder ein Millionengrab?

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 02.01.2011, 13:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
In nächster Nähe: Ein Plakat der Stiftung Bochumer Symphonie vor der Marienkirche.

In nächster Nähe: Ein Plakat der Stiftung Bochumer Symphonie vor der Marienkirche.

Nachdem die frohe Botschaft verkündet wurde, melden sich Politiker aller Fraktionen zu Wort. Das Musikzentrum im ViktoriaQuartier stößt weitestgehend auf Zustimmung. "Dies ist die erfreulichste Kulturnachricht" kommentiert Lothar Gräfingholt (CDU). "Dieses optimierte Konzept ist uns sehr lieb", erklärt Wolfgang Cordes für die Grünen. FDP und SPD sind ebenso erfreut.Kritik von Linken und Sozialer Liste

Kritik kommt dagegen aus den Reihen der Linken und der Sozialen Liste. Beide Parteien standen dem Bau eines Konzerthauses stets ablehnend gegenüber und können auch an dem neuen Konzept des Musikzentrums wenig Positives finden. Von einem "bitteren Beigeschmack" spricht die Linke mit Blick auf die Übernahme der Jahrhunderthalle, ohne die es keine Landesmittel für das Musikzentrum gibt.   Die Soziale Liste wirft der Stadt vor, mit Millionen zu planen, die sie nicht hat. Die Soziale Liste rechnet trotz neuer Landesmittel mit Kosten von 30 Millionen Euro, die auf die Stadt zukommen, und lehnt die Pläne daher ab. Ganz schlüssig kann sie diese Rechnung jedoch nicht gestalten.

Entscheidung über Jahrhunderthalle Jens Lücking (FDP) ist sicher, dass Stadtbaurat Ernst Kratzsch einen guten Deal ausgehandelt hat. Die Instandhaltungskosten für die Jahrhunderthalle müsse die Stadt erst tragen, wenn alle aus EU-Fördermitteln resultierenden Pflichten auslaufen. "Dann können wir entscheiden, was mit der Jahrhunderthalle passieren soll", so Lücking. 

Linke und Soziale Liste bleiben dennoch dabei: Die Stadt kann sich ein Musikzentrum nicht leisten. Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz betonte gegenüber den Ruhr Nachrichten nochmals, dass auf die Stadt keine weiteren Ausgaben zukommen. Statt die einst zugesagten 15 Millionen zahlen zu müssen, bekommt Bochum für 2,4 Millionen Euro - die für den Umbau der Marienkirche eingeplant sind - ein neues Haus der Musik.Betriebskosten im Blick

"Jetzt müssen wir darauf achten, dass die derzeitigen Betriebskosten für Symphoniker und Marienkirche nicht überschritten werden", betont Wolfgang Cordes. Der CDU ist nun ein zügiger Baubeginn wichtig, denn schließlich habe man sich schon einmal auf ein Silvesterkonzert im neuen Haus gefreut, so Gräfingholt. Dieses Konzert fand am Freitag im Audimax statt.