Mutter schiebt Schuld auf „eierndes Rad“ am Kinderwagen

Zwillinge misshandelt

Wegen mutmaßlicher Kindesmisshandlung stehen die Eltern von Zwillingen vorm Bochumer Landgericht: Die beiden Kinder waren unterernährt und hatten zahlreiche Knochenbrüche. Ein „eierndes Rad“ am Kinderwagen soll Schuld an den schweren Verletzungen von den Zwillingsmädchen gewesen sein. Das hatte eine Mutter nach ihrer Festnahme gesagt.

BOCHUM/RECKLINGHAUSEN

10.11.2015, 17:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mutter schiebt Schuld auf „eierndes Rad“ am Kinderwagen

Vor Gericht haben sich die Eltern der misshandelten Zwillinge nicht geäußert. In der Mitte ist Verteidiger Jens Tuschhoff zu sehen.

Die Aussage der 19-Jährigen ist am Dienstag im Prozess am Bochumer Landgericht bekannt geworden. Die Mutter der beiden Zwillingsmädchen aus Recklinghausen hatte bei ihrer polizeilichen Vernehmung am 19. Mai 2015 zu Protokoll gegeben: „Wir kümmern uns den ganzen Tag gemeinsam um die beiden. Meist füttern wir sie zeitgleich. Oft gehen wir auch an die frische Luft.“

Auch von Hausbesuchen durch das Jugendamt war die Rede. Die Mitarbeiter hätten aber nichts zu bemängeln gehabt. 

Mehrere Erklärungen für Vorfall

Als mögliche Erklärung für den dramatisch schlechten Zustand der Babys war der Mutter in der Vernehmung ein Mix aus einem eiernden Kinderwagenrad und einem unebenen Weg eingefallen. Was nur so viel bedeuten konnte: Die Babys könnten beim Spazierengehen wohl stets stark durchgeschüttelt worden sein.

Außerdem war die Rede von Flugzeug-Bewegungen auf dem Unterarm, wenn bei einem Baby mal wieder ein Bäuerchen ausgeblieben war.

Wohl für immer schwer behindert

Im Prozess selbst haben sich die Zwillingseltern – auch der Vater ist angeklagt - nach wie vor nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Die beiden damals drei Monate alten Mädchen waren in einem katastrophalen gesundheitlichen Zustand, als sie im Mai in die die Dattelner Kinderklinik eingeliefert wurden.

Knochen waren gebrochen, außerdem waren sie völlig unterernährt. Ein Mädchen wird laut Anklage wohl immer schwer behindert bleiben. Der angeklagte Vater (26) sitzt im Gegensatz zur Mutter seit Mitte Mai in U-Haft.