Nabuccos sinnliche Pracht

Festival "Klangvokal"

Das Dortmunder Musikfestival "Klangvokal" ist ein Festival der Entdeckungen. In diesem Jahr unter dem Motto "Grenzenlos". Eröffnet wurde es am Freitag mit dem Oratorium "Nabucco" von Michelangelo Falvetti, und nach der 80-minütigen deutschen Erstaufführung in der Dortmunder Stadtkirche St. Reinoldi überschütte das Publikum den Entdecker, Dirigent Leonardo Garcia Alarcón, mit Ovationen.

DORTMUND

, 16.05.2016 / Lesedauer: 2 min
Nabuccos sinnliche Pracht

Mit dem Oratorium „Nabucco“ eröffnete das Dortmunder Festival „Klangvokal“.

Vor drei Jahren hat er das Oratorium, das mehr eine Oper ist, nach 300 Jahren wieder aus den Archiven geborgen. Eine mühsame Angelegenheit, denn die Originalpartitur hätten Mitarbeiter des Archivs in Italien gestohlen, hatte der argentinische Dirigent zuvor erzählt.

Die Mitarbeiter sitzen nun im Gefängnis; Alarcón hat sich mit Abschriften der Handschrift beholfen. Und er hat seine Cappella Mediterranae, die auf barocken Instrumenten musizierte, um orientalisches Schlagwerk ergänzt. Das verlieh dem Oratorium noch mehr Prunk und sinnliche, barocke Pracht, wenngleich man die zu Beginn nicht hört.

Lautmalerei und Prunk

Mit flirrenden Klängen, die an Wasserplätschern am Ufer des Euphrat erinnern, eröffnet Falvetti das Werk. Und er komponiert auch in allen folgenden Szenen sehr lautmalerisch und farbenreich.

Falvetti erzählt eine andere Geschichte als Verdi knapp 200 Jahre später in seiner Oper "Nabucco". In dem Oratorium geht es um die Befreiung des jüdischen Volkes aus babylonischer Gefangenschaft im sechsten Jahrhundert vor Christus.

Alarcóns Nabucco war Fernando Guimaraes, ein oft lyrisch singender Tenor, der nicht den radikalen Herrscher Nabucco in den Vordergrund stellte. Hervorragend besetzt waren auch die Sänger des kleinen, aber sehr präsenten Kammerchors de Nambur und der Partien des Arioco mit Countertenor Raffaele Pé und des Daniele mit dem starken Bass Joao Fernandes.

Und die drei Jünglinge, die bei Falvetti den König verspotten - fast ein Pendant zu Wagners Rheintöchtern - waren mit Mariana Flores, Caroline Weynants und Lucia Marin Carton großartig besetzt.