Nach 3 Monaten: Covid-Patient (57) überlebt und verlässt Krankenhaus

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Hinter Hermann Hollstegge (57) liegen die wohl schwierigsten Wochen seines Lebens. Eine Coronavirus-Infektion hat den Borkener, der keine bekannten Vorerkrankungen hat, fast das Leben gekostet.

von Nikolaus Kellermann

Bocholt

, 27.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hermann Hollstegge (57) aus Borken hätte eine Coronavirus-Infektion fast das Leben gekostet, obwohl der 57-Jährige keine bekannten Vorerkrankungen hat. Dass Hermann Hollstegge heute noch lebt, verdankt er dem Intensivmedizin-Team des Bocholter St.-Agnes-Hospitals, das Hollstegge am Leben hielt. Mehr als 60 Tage verbrachte der 57-Jährige auf der Bocholter Intensivstation.

In der Anmeldung der Intensivstation am Bocholter St.-Agnes-Hospital hat sich ein Teil des Pflege-Teams versammelt, um einen besonderen Patienten zu verabschieden. Hermann Hollstegge lag noch vor drei Wochen auf der Intensivstation, auch jetzt ist er noch auf den Rollstuhl angewiesen.

57-Jähriger ist noch immer sehr geschwächt

Bis der 57-Jährige wieder ohne Hilfe mehr als zehn Schritte gehen kann, werden wohl noch einige Wochen vergehen, so geschwächt ist er von den Wochen, die hinter ihm liegen. Er weiß, dass es an ein Wunder grenzt, dass er überhaupt noch lebt.

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Hermann Hollstegge hat mit knapper Not eine Infektion mit dem Coronavirus überlebt – als einer der ersten Covid-19 Intensivpatienten im Kreis Borken. „Er hat eigentlich alle schweren Begleiterkrankungen, die diese Krankheit bietet“, sagt Chefarzt Dr. Olaf Baumhove, darunter Lungenversagen, Nierenversagen, Herzversagen und Thrombosen.

Behandlungen sind aufwendig und unangenehm

Aufwendige und unangenehme Behandlungen musste Hollstegge über sich ergehen lassen, er musste lange Zeit in Bauchlage beatmet werden und regelmäßig zur Dialyse. Auch trägt er nun eine Defibrillatorweste, später soll er einen festen Defibrillator implantiert bekommen, so Baumhove.

Nach knapp 50 Tagen in Behandlung konnte das Pflegeteam Hollstegge einen Wunsch erfüllen: eine kalte Cola im Park.

Nach knapp 50 Tagen in Behandlung konnte das Pflegeteam Hollstegge einen Wunsch erfüllen: eine kalte Cola im Park. © Klinikum


Bemerkenswert: Der 57-Jährige hatte keine bekannte Vorerkrankung. „Ich war in meinem Bekanntenkreis immer einer der fittesten“, sagt Hollstegge. Noch in der Woche vor seiner Verlegung auf die Intensivstation hatte er im Rahmen einer Untersuchung einen Lungenfunktionstest gemacht, der keine Auffälligkeiten ergeben hatte.

Kaum Erinnerungen an die ersten Tage der Infektion

An die ersten Tage der Infektion könne er sich nicht mehr erinnern, berichtet der Borkener heute. Er sei nach dem Auftreten erster Symptome zum Krankenhaus nach Stadtlohn gefahren, um sich auf Corona testen zu lassen. Später zu Hause sei es ihm dann immer schlechter gegangen.


„Irgendwann bin ich dann hier im Krankenhaus aufgewacht“, sagt Hollstegge. Auch seine Frau und sein Sohn hätten sich angesteckt, doch bei ihnen seien die Symptome nach wenigen Tagen wieder abgeklungen. Nicht so bei Hermann Hollstegge.

Pflegeteam organisiert ein Tablet

Er habe daraufhin die nächsten Wochen im Krankenhaus verbringen müssen. Das Schlimmste sei bei allen schlechten Nachrichten die Eintönigkeit gewesen, berichtet der 57-Jährige. „Ich kannte nachher jeden Fliegenschiss an der Wand“, sagt er. Kontakt zu Familie und Freunden habe er, als es ihm besser ging, nur per Telefon gehabt.

Das Pflegeteam habe ihm schließlich ein Tablet organisiert, mit dem er per Videochat mit seiner Familie sprechen konnte. Und auch seine Arbeitskollegen hätten ihm eine rührende Grußbotschaft geschickt, sagt Hollstegge.

Unterdruck-Atemmasken sind eine große Erleichterung

Normalerweise könnten Angehörige „zu jeder Zeit“ die Patienten auf der Intensivstation besuchen, doch in Corona-Zeiten sei das nicht möglich. „Das ist für alle Beteiligten mit das Schwerste“, sagt Daniel Johlitz, Bereichsleiter der Intensivstation. Hollstegge ist nun der letzte Intensivpatient der ersten Covid-19-Welle, der das St.-Agnes-Hospital verlässt.

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Zur Spitzenzeit seien neun Patienten mit der Lungenkrankheit gleichzeitig auf der Bocholter Intensivstation behandelt worden – plus fünf Verdachtsfälle, die ebenfalls isoliert werden mussten, wie Olaf Baumhove ergänzt. Eine gewaltige Erleichterung seien die Unterdruck-Atemmasken, mit denen Pfleger und Ärzte in den Isolationszimmern arbeiten konnten. Die seien kurzfristig in Absprache mit der Charité angeschafft worden, so Baumhove.

Behandlung ist ein enormer Aufwand

Die Behandlung der Corona-Patienten sei für die Intensivstation ein enormer Aufwand. Allein 8000 Schutzkittel seien in den letzten acht Wochen verbraucht worden, zwei Isolationszimmer mit Schutzausrüstung werden weiter für die Behandlung von Corona-Patienten freigehalten.

Insgesamt 16 Intensivpatienten seien in Bocholt versorgt worden. Dass es im Verhältnis so wenige seien, dafür gibt es laut Baumhove einen eindeutigen Grund: die strengen Schutzmaßnahmen. „Wir haben die große Sorge, dass das, was erreicht wurde, in Vergessenheit gerät“, sagt er.

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Hermann Hollstegge ist dankbar für die Behandlung durch das Pflege- und Ärzteteam am St.-Agnes-Hospital. Vor ihm liegt noch ein langer Weg bis zur Genesung. Sein nächstes Ziel steht fest: „Wieder laufen können“, sagt er. Doch das wird noch einige Wochen dauern, schätzt er.

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