Nach Angriffen auf Herde: Schäfer bittet Hundehalter um Rücksicht

Tierschutz

Vermutlich ein Husky hat auf einer Weide in Wickede 12 Schafe angegriffen. Ein Tier musste sterben - ein trächtiges Schaf verlor ein Junges. Die Eigentümer der Herde haben jetzt eine Bitte an Hundehalter.

WICKEDE / KURL

, 08.02.2014, 00:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Martin Rudack zeigt ein Foto, das ein schwer verletztes Schaf zeigt. Der Schäfermeister musste das Tier töten, um es zu erlösen: Keime waren durch die große Wunde eingedrungen und hatten eine Infektion ausgelöst. Der Hund hatte dem Muttertier das Fell abgerissen.

Martin Rudack zeigt ein Foto, das ein schwer verletztes Schaf zeigt. Der Schäfermeister musste das Tier töten, um es zu erlösen: Keime waren durch die große Wunde eingedrungen und hatten eine Infektion ausgelöst. Der Hund hatte dem Muttertier das Fell abgerissen.

Der Angriff auf die Herde von Ute und Martin Rudack war nicht der erste Angriff auf Tiere des Zuchtbetriebs aus Kurl. Im Februar 2012 jagte ein Hund eine Herde von Sölde bis Aplerbeck. Im Herbst 2013 folgte ein frei laufender Hund in Asseln seinem Jagdtrieb - und jetzt der Angriff auf die Herde trächtiger Tiere in Wickede. Ute und Martin Rudack wollen nicht länger schweigen. In einem Videofilm richten die Schäfermeister an Hundehalter auch diese Botschaft:

Am 30. Januar 2014 saß das Ehepaar um 22.30 Uhr im Wohnzimmer vor dem Fernseher, als das Telefon schellte. Ein Landwirt aus dem Nachbar-Stadtteil Wickede meldete sich und informierte die beiden Schäfermeister darüber, dass ein frei laufender Husky eine Herde des Kurler Zuchtbetriebs auf seinen Hof getrieben habe. Die jugendlichen Söhne des Bauern hinderten die 100 verängstigten Tiere an der weiteren Flucht.

Die Hunde-Halterin hatte ihren Husky "aus den Augen verloren", wie sie den beiden Jugendlichen berichtete - dann soll sie ihren Hund wieder angeleint haben und davon gegangen sein. Erst am nächsten Tag stellten Ute und Martin Rudack das Ausmaß des Angriffs fest: Mehrere Tiere hatten tiefe Bisswunden erlitten. Einem Schaf hatte der Hund Teile des Fells abgezogen. Ein trächtiges Tier verlor später sein Junges.

Die Herde stand auf einer abgezäunten Weide, als der Hund auf entlegenem Terrain zur Jagd ansetzte. Dann sei Panik ausgebrochen. "Die Tiere müssen Todesangst gehabt haben", berichtet Martin Rudack. Mit aufgerissenen Mäulern hätten sie, auf dem Bauernhof angekommen, kauernd in einer Ecke nach Luft geschnappt. Der Schäfermeister: "Ein großer Teil der Herde war mit Blut überschmiert. Die Tiere hatten Wunden am Kopf und auf den ersten Blick nicht erkennbare Wunden unter der Wolle."

Bei einer anschließenden Suche entdeckte das Ehepaar, das 1978 mit zwei Schafen einen eigenen Zuchtbetrieb aufgebaut hat, eine weiteres Schaf an einem Waldrand. "Es stand apathisch auf einem Weg, wurde mehrfach gebissen und blutete stark", berichtet Ute Rudack. Die Schäfermeisterin kann die unbekannte Hundehalterin nicht verstehen: "Wegen der schlechten Erfahrung mit Hunden informieren wir die Polizei immer darüber, wo unsere Herden stehen. Hätte die Frau uns über die Polizei verständigt, hätten wir schwer verletzte Tiere sofort erlösen können."

"Auch bei solchen drastischen Bildern, die wir ansehen müssen, geht es uns nicht um den wirtschaftlichen Verlust", sagt Ute Rudack, "vielmehr wollen wir Hundehaltern, die ihre Tiere nicht anleinen, mit auf den Weg geben, dass sie Verantwortung auch gegenüber anderen Tieren haben." - "Aber offenbar hört die Tierliebe an der eigenen Hundeleine auf", ergänzt Martin Rudack. Er betont, dass eine Schafherde einem jagenden Hund schutzlos ausgeliefert sei.

Eine angegriffene Schafherde bildet vor einer Flucht zunächst in kreisförmigen Bewegungen eine Traube, um die innen stehende Mehrheit zu schützen. "Keins der Schafe will außen stehen", sagt Ute Rudack. Dann sei die Herde über einen Elektrozaun geflüchtet. "Die vordersten Tiere werden von hinten durch das Hindernis geschoben", berichtet Martin Rudack über die Panik der "hochtragenden" Schafe, die etwa zehn Tage später im Stall in Kurl ihre Jungen "lammen" (Fachbegriff für die Geburt) sollten. Wie es in dem Stall der beiden Schäfermeister aussieht, zeigt diese Fotostrecke:

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Ein Blick in den Schafstall von Ute und Martin Rudack

Ein Hund hat auf einer Weide in Wickede 12 Tiere einer Schafherde eines Züchters aus Kurl schwer verletzt. Ein Tier musste der Eigentümer der Herde anschließend töten, um es von seinem Leid zu erlösen. Diese Bilder sind im Stall von Ute und Martin Rudack entstanden.
07.02.2014
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Kurz nach dem Angriff eines Hundes hatte ein trächtiges Schaf der Herde zehn Tage vor dem eigentlichen Geburtstermin dieses Lamm verloren.© Foto: Peter Bandermann
Blick in den Stall der Schäfermeister Rudack in Kurl.© Foto: Peter Bandermann
Vereinzelt sind auf diesen Schafen Farbspuren zu erkennen. Dabei handelt es sich um einen Farbabrieb, den der Bock bei der Paarung hinterlassen hat. Der Bock ist zuvor markiert worden. So können die Schäfer die Schwangerschaften besser zuordnen.© Foto: Peter Bandermann
Betreten Unbekannte den Stall, ziehen sich die Tiere fluchtartig zurück. Nach einigen Minuten dominiert die Neugierde. Vorsichtig tasten sie sich heran.© Foto: Peter Bandermann
Die 750 Rudack-Schafe sind in Dortmund im Münsterland unterwegs, um die Landschaft abzugrasen. Anders als Rasenmäher verbrauchen sie keinen Strom und kein Benzin.© Foto: Peter Bandermann
Die trächtigen Tiere leben während der fünf Monate dauernden Schwangerschaft im Freien. Kurz vor dem "Lammen" kommen sie in den Stall. Das Tier links hat über der Schulter noch einen Blutfleck, der von einem Hind verursacht worden ist.© Foto: Peter Bandermann
Diese Schafe sind auch als Landschaftspfleger unterwegs: Sie halten in der Natur die Grasnarbe kurz und verdichten den Boden.© Foto: Peter Bandermann
Die Lämmer wachsen bei den Muttertieren auf. tagsüber dösen sie gerne, abends drehen sie im Stall auf und toben einmal den Akku leer, bevor Nachtruhe einkehrt.© Foto: Peter Bandermann
Die Schäfermeister Ute und Martin Rudack besitzen 750 Tiere. Sie stehen im Stall und leben frei auf Weiden.© Foto: Peter Bandermann
Schafe sind Herdentiere. Lock- und Leitschafe - wie dieses neugierige Schaf - laufen an der Spitze der Herde.© Foto: Peter Bandermann
Ein neugieriges Schaf im Stall Rudack in Kurl.© Foto: Peter Bandermann
Der Hund, der dieses Schaf angefallen hat, hatte sich regelrecht in dem Tier verbissen.© Foto: Peter Bandermann
Ein Lamm im Stall der Familie Rudack.© Foto: Peter Bandermann
Erst schüchtern, dann neugierig: Die Lämmer im Stall der Familie Rudack.© Foto: Peter Bandermann
Diese Lämmer sind zehn Wochen alt.© Foto: Peter Bandermann
Diese Lämmer sind zehn Wochen alt.© Foto: Peter Bandermann
Martin Rudack zeigt das Bild eines schwer verletztes Schafs.© Foto: Peter Bandermann
Ein zehn Wochen junges Lamm im Stall in Kurl.© Foto: Peter Bandermann
Dieses Lamm ist zehn Wochen alt.© Foto: Peter Bandermann
Viel fressen und gemütlich durch den Tag gehen: Die Wiederkäuer sind friedliche Tiere.© Foto: Peter Bandermann
Martin Rudack im Stall in Kurl. Der Schäfermeister ist täglich bei den Tieren.© Foto: Peter Bandermann
Diesem Schaf hat ein Hund im vergangenen Jahr ein Ohr abgebissen.© Foto: Peter Bandermann
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Die Polizei hat inzwischen eine Anzeige aufgenommen. Juristisch handelt es sich um eine Sachbeschädigung. Den wirtschaftlichen "Schaden" beziffern die Züchter auf 120 Euro für das tote Muttertier, 50 Euro für das tot geborene Jungtier und 200 Euro für den beschädigten Elektrozaun. Viel wichtiger ist den beiden Schäfermeistern die Bitte an die Hundehalter: "Leint die Hunde an, wenn Schafe in der Nähe sind."  

- In Nordrhein-Westfalen gibt es 200 Herdenschäfer
- Die Kurler Schäferei ist eine Wanderschäferei
- Die Tiere ziehen als Landschaftspfleger durch die Natur
- Dabei grasen sie die Grasnarbe ab und verdichten den Boden
- Die Tragzeit bei Schafen beträgt fünf Monate

 

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